Das Teufelsgitter zu Wismar

Dienstag 19. Januar 2010 von admin

 Das Teufelsgitter zu Wismar

Das Gitter um den Taufstein der Marienkirche in Wismar ist von so kunstreicher Eisenarbeit, daß es fast aussieht, als sei es von lauter ineinandergeflochtenen Stricken zusammengesetzt. Die Sage berichtet, daß der Meister, der es anfertigte, sich dem Teufel verschrieben und dieser das Gitter für ihn gemacht habe.

Nach anderer Überlieferung war es im Jahre 1344, daß ein Schlossergeselle zu Wismar, der seines Meisters einziges Töchterlein liebte, aber von dem Meister zurückgewiesen wurde, wenn er nicht hundert Goldgulden zum Mahlschatz bringen könne, einen feinen Herrn getroffen, dem er auf Befragen den Grund seiner Betrübniß erzählte. Darauf erklärte sich der Herr bereit, ihm zu helfen; er werde am anderen Morgen kommen und ein Gitter um den Taufstein bestellen, das aus einem Stücke geflochten sein müsse. Das werde keiner übernehmen wollen, da solle er, der Geselle, sich dazu erbieten. Wenn er es in der Zeit vom Hahnenschrei bis Nachts ein Uhr vollende, dann bekomme er hundert Goldgulden, wenn nicht, so gehöre er ihm. Der Geselle wusste nun wohl, mit wem er zu thun hatte; aber er ging den Vertrag ein, den er mit seinem Blute unterzeichnen musste. Es war nur noch ein Stift einzunieten, da hörte er, wei die Glocke Eins ansagte. In seienr Angst rief er die Mutter Gottes an. Da schlug es Eins, ein fruchtbares Geheul ertönte und der Geselle fiel besinnungslos hin. Als er erwachte, lag sein Contract und die hundert Goldgulden neben ihm. Er beichtete alles und erhielt nicht nur Verzeihung, sondern auch von seinem Meister die Hand seiner Tochter. Die Arbeit war vollendet, doch ist das eine Loch bis auf den heutigen Tag ohne Niet geblieben.

Sagen, Märchen, Gebräuche aus Mecklenburg von Karl Bartsch, Wien 1879

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Blick auf St. Nikolai 1900 und 2009

Sonntag 26. April 2009 von admin

Blick auf St. Nikolai 1900 und 2009 – viel hat sich nicht verändert, ausser die Farbe.

St. Nikolai zu Wismar im Jahre 1900

St. Nikolai zu Wismar im Jahre 1900

Im Jahr 2009:

St. Nikolai zu Wismar im Jahre 2009

St. Nikolai zu Wismar im Jahre 2009

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Wassertor ca. 1900 und 2009

Sonntag 26. April 2009 von admin

Eine kleine Gegenüberstellung, das Wassertor am Hafen.

Wassertor Innenansicht ca. 1900

Wassertor Innenansicht ca. 1900

Und nun im Jahre 2009
Wassertor Innenansicht 2009

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Geschichtliche Daten zur Stadt Wismar

Samstag 25. April 2009 von admin

Quelle:
Beschreibung des Herzogtums Mecklenburg 
Zweiter Teil von Hans Henrich Klüver, Hamburg 1738

Wismar

 

 So viel den Nahmen der Stadt betrifft, so halten einige das Wort Wismar vor ein Lateinisch Wort, und solte so viel heissen als Wismaria,. Crantzius meinet, es sey ein Wendisch Wort. Andere halten sv or ein Teutssches Wort und meinen die Stadt habe den Namen von einem gelehrten wiesen Mann, und hiesse Wismar so viel als Wismayri. Noch andere wollen es derivieren von den Worten Wische und Moor / weil die Stadt an Wiesen und Mohren läge, noch andere sagen, dass die Benennunf von dem Worte Wisse Meeri, dh. sicherer Haven, herfliessen solle.
Die zuerst bemeldete Nennung ist wohl die sicherste, gestalt daher auch zum Andenken des Stifters der Rath zu Wismar in der grossen Rath-Stuben im Fenster setzen lassen: Haec Civitas condita est a Wisimaro, welches aber von der alten Stadt zu verstehen, denn die neue Stadt ist zur Zeit der Zerstörung der Stadt Mecklenburg zu bauen angefangen worden, welche wegen des Havens bald zugenommen, und an Bürgern sich sehr gemehret.

Anno 1239 haben die aus Lübeck aus dem Johannis Klsoter ihres bösen Lebens halber vertriebenen Benedictiner Mönche in Wismar ein Kloster erbauet.

Anno 1250 ist zu Wismar die Kirche zum Heiligen Geist zu bauen angefangen, wozu nachhero viele Vermächtnisse von denen Bürgern gegeben worden, insoderheit auch von Fürst Johanne Theologe, der sein vor dem Mecklenburgischen Thor ausser der Stadt gelegenes Haus dieser Kirche vermacht hat.

Anno 1260 confirmierte Fürst Johannes den Kauff der Stadt Wismar über das Dorff Ummekendorp.

Anno 1266 hat Henricus nach Absterben seines Herrn Vaters Johannes Theologi am Sonntage Jubilate zu Wismar die Huldigung eingenommen, und die Stadt mit dem Lübschen Rechte, mit dem besten und niedrigsten Gericht, wie auch mit der Insul Lypse samt dem Wasser 2 Meilen von dem Wege gelegen, begnadigt. Es soll diese Insul 2 Hufen Landes in sich begriffen haben, und ein gemaurter Thurm darauf gestanden seyn, wornach die Schiffe sich richten können. Es ist nachher das Land meist verspühlet und der Thurm destruiret, doch hält der Rath noch eine Bagge oder Tonne zum Besten der Schiffer allda. Etliche Tag nach obbemeldeter Huldigung ist die Stadt gänzlich abgebrandt, und beschlossen lauter massive Häuser wieder zu erbauen.

Fürst Heinich hat seine Residence zu Wismar gehabt, und reisete den 13. Juni 1271 mit seinen Edelleuten ach dem gelobten Lande, nachdem er von Martino, Guardian des Franciscaner Klosters, auf dem Kirchhof mit dem heiligen Creutz gezeichnet und gesegnet war. Seine Gemahlin Anastasia hat er zu Wismar gelassen und ihr nebst Diedrich von Oertzen und Hein von Stralendorffen die Regierung, so lange er abwesen wäre, anvertraut.

Anno 1279 hat der Rath zu Wismar von der Regentin Anastasia und dem unterdess bestelten Vormund Johann, Fürst Henrichs Bruder, das Jus Patronatus über alle Schulen daselbst erhalten: zwar hat das Capittel zu Ratzeburg, worunter damahlen Wismar in Geistlichen Sachen stand, solches getritten, allein der Bischof Marquard von Ratzeburg hat anno 1331 dieses der Stadt confirmiret.

Anno 1293 hat Henricus Leo, der in Abwesenheit seines Herrn Vaters endlich selbst die Regierung annahm, Diedrich von Hamel mit den Dominicaner-Mönchen zu Wismar aufgenommen, und ihnen eine Stelle zum Kloster angewiesen, da denn solches Klsoter (sonsten das schwartze Kloster genannt) zu bauen angefangen.

Anno 1299 kan Henricus Hierosolimitanus wieder vom gelobten Lande zu hasue, und ward am Tage Pantaleonis mit Procession in die Marien-Kirche geführet, allda das Te Deum Laudamus & co. gesungen, und schenckte er die Helfte des mitgebrachten Holtzes vom heiligen Creutz dem Franciscaner-Kloster, die andere Helfte dem Kloster zu Doberan. Seine erste Ankunfft war im Lager, welches das Schloss Glasen, wo denen von Adel Meßköping genannt, zugehörete, und worinn sich viele rebellische Edelleute retiriret hatten, belagert hielt, band nachher ward das Schloss eingenommen und gäntzlich geschleiftet, haben auch 40 der Haupt-Rebellen in 2 Galgen aufgehangen, wie uns Latomus ad. d.a. berichtet. Nach Henrici Hierosolimitani Rückkunfft aus dem Gefängnis im gelobten Lande, war er, weil man abseiten des Raths in seinem Abwesen ziemlich über die Schnur gehauen, indem sie für 23 Jahre die Stadt ohn Erlaubnis mit Mauren befestiget, das Schloss aber daraus geschlossen, die Juden aus der Stadt verjagt und den Fürstlichen Hauptmann das Thor vor der Nase zumachten, welches eine Belagerung verursachet, darüber viel Blut vergossen worden; doch ist es zu gütlichen Tractaten kommen, darinnen die Stadt unter andern Puncten ihm die Schlüssel einhändigen und das eingerissene Fürstliche Schloss wieder bauen solte und musste.  Worauf Anno 1308 der alte Herr gestorgen. Aus dieser, denen Landes Nachrichten gemässen Historie ist dasjenige, was Crantzius hievon meldet, zu corrigieren.

Anno 1309 wollte Henricus Leo seiner Tochter Beylager mit Otto Hertzog von Lüneburg in Wismar halten, aber die Wismarschen machten es wie vorhin, wodurch die Stadt belagert und ein grosses Blutbad angerichtet ward, bis endlich die Sache dahin nach eines Jahres Verlauf verglichen worden, dass die Vornehmsten der Bürgerschafft schweren müssen, daß sie keine hinlängliche Sicherheit haben möchten, die Thore verschlossen, wonechst sie gepfändete Güter dem Herrn freygeben, und der Herr bey der Brügerschaft gemachte Schulden bezahlen, auch die Aufbauung eines Schlosses auf dem Weber-Kampt willigen müssen.

Anno 1327 versprach Fürst Heinricus der Löwe der Stadt Wismar von seinen in der Stadt belegenen Köfen keine künfftig an niemanden  zu veräussern.

Anno 1337 hat sich die Stadt Wismar bey dem regierenden Herrn Alberto beschweret, daß die Juden bey ihnen zu häufig einschlichen und sich mehreten, worauf der Herr in Gnaden fesolviret und festgesetzet, daß hinführo von der Zeit an nich mehr als 2 Hische oder Zünffte in Wismar geduldet werden solten, welche ihm jährlich 24 Mark Schutz-Geld geben mussten, sonsten aber unter dem Rath daselbst, wie andere Bürger stehen solten; worauf auch jeder Junfft ein Haus eingeräumt worden.

Anno 1339 hat ein Edelmann, Hein Beer, einen Juden Danyß, in der Heiligen 3 Könige Nacht aus dem Hause geholet, und durch das heimliche Secret, Schmiede Häusgen genannt, aus der Stadt gebracht; Als die Wismarschen diese Gewalt erfahren, haben sie diesen und deren Interessenten nachgesetzt, auch gefangen genommen, jedoch ist die Sache vertragen, und beyderseits in Urphede abgeschworden.

Worauf Anno 1340 ein Land-Friede geschlossen, welchen aber der Scherfenberg zu Linow nicht gehalten, weshalben ihm das Haus Linow genommen und das Land zu Darzinck davor gegeben worden, als er aber mit seiner Rauberey fortgefahren, hat Churfürst Rudolph von Sachsen und Albertus Herr von Mecklenburg das Land Darzinck ihm abenommen und daraus vertrieben.
Zu der Zeit soll es bey dem Meere zu Wismar Feuer wie Schnee-Flocken geregnet, Steine und Holtz angezündet, und sonst den üblen Effect gethan haben, daß die Leute, so den Rauch empfunden, bald darauf gestorben.

Anno 1350 ist allda eine starcke Pest gewesen / daß in einem Monath über 2000 Menschen gestorben, zudem ist auch das Rathaus damahlen abgebrandt und alle Privilegia im Feuer verzehret worden.

Anno 1351 hat Herzog Albrecht der Stadt die copeylichen Privilegia, nachdem der Rath endlich erhalten, daß solche mit den Originalen einstimmen, confirmiret.

Anno 1353 hat Herzog Albrecht dem Heiligen Geist in Wismar 4 Höfe, Stefin, Metelsdorff, Klusendorff und Martensdorff geschencket.

Anno 1374 am 4. Dezember ist allda das Meer so hoch gestiegen, daß es bis auf dem Hopfenmarkt gestanden, wodurch grosser Schade geschehen.

Anno 1378 grassirte die Pest starck wieder allda, daß zehn tausend Menschen daran gestorben und zuweilen 120 an einem Tage begraben worden.

Anno 1379 am Mittwochen nach Ovalimodogeniti ist in eines Raths-Verwandten, Johann Surowen, Stall in der Mecklenburgischen Strasse ein groß Feuer auskommen, wodurch die ganze Mecklenburgische, Dambwarts, Kleinschmiede und Bildenstrasse, und als so fast der 4te Theil der Stadt aufgegangen.

Anno 1389 ist König Albertus II. von Schweden nebst vielen Persohnen in Wismar gewesen, allwo Tourniere auf dem Markt gehalten und viele Lustbarkeiten ausgeübt worden.

Anno 1391 rüstete diese Stadt nebst der Stadt Rostock en Faveur des Königs Alberti von Schweden eine Flotte aus, mit welcher Herzog Hans von Stargard nach Schweden fuhr, durch Sturm aber sind viele Schiffe untergegangen und das Volk ertrunken. Ein Schiffer, Namens Rarbeck, lief mit seinem Schiffe, darinnen viele tapfere Edelleute und Stockholmische Bürger waren, zu den Feinden, daß sie alle in ihrer Hand kamen und gefangen wurden.

Anno 1391 legten die Lübecker mit Consens Herzog Erich zu Sachsen von Möllen bis zum Fluß Delmenow, der in die Elbe fleußt, einen Graben an, wodurch man zu Wasser durch die Steckenitz von Lübeck nach Hamburg und Lüneburg kommen konnte. Durch diese Anlage haben die Lübecker den Salz-Handel, welcher sonst in Wismar starck getrieben, und wohin das Salz über Boizenburg mit Wagens gebracht ward, an sich gezogen, und dadurch Wismar grossen Abbruch gethan.

Anno 1394 entsetzten die Wismarschen nebst den Rostockern in Faveur ihres Königs und Herzogs Alberti, und proviantirten das belagerte Schloss zu Stockholm, brachten auch ein Schiff mit 300 Mann besetzt auf, fielen derwegen in der Königin Margaretha Ungnade, erlangten aber hernach ihre Freyheit im Reiche wieder.

Anno 1403 liessen die Wismarschen einen Mecklenburgischen Ritter henken, weil er eines Bürgers Frau, mit mit ihrem Willen, entführet. Dieses Ritterband dangte nicht.

Anno 1410 setzte die Stadt ihren alten Rath ab, er ward aber von den Fürsten wieder eingesetzet, und hat die Stadt deshaben 10000 Mark Straffe erlegen müssen.

Anno 1427 brachte der König von Dännemark, welchem die Hansee-Städte viel zuthun machten, die Bürgerschafft wider den Rath auf, vorgebend, daß er unbilligen Krieg wider ihn anfinge, und wo der Sache nicht Änderung geschehe, er fremden Nationen die von ihnen gehaltenen Privilegien zuwenden wolte, deswegen die 60 Männer ihnen einen Anhang machten, den Bürgermeister Johann Bantzkowen und den Rathsverwandten Hinrich Haren ins Gefängnis, nach etlichen Tagen in die Fronerey in Ketten und Banden legen, und endlich gar auf dem Markte enthaupten lassen. Es halff ihr Borgeben nichts, daß sie alles, sowohl nach des Raths Meinung als auch nach gemeinem Beschluß der nechsten Städte gehandelt und verrichtet. Des Bürgermeisters Sohn trieb aber diese Sache beym Kayser Sigmund so weit, daß 1.) die Stadt den Anverwandten ein prächtiges Leichenbegräbnis halten, 2.) auf den Knien eine Abbitte thun 3.) 200 Frauen und Jungfrauen bey öffentlicher Messe vor die Seelen der Entleibten bitten 4.) 3 Bürger, einer nach Compostel, der andere nach Rom, und der dritte nach St. Eobaldi gehen und Ablaß holen, 5.) an eben den Ort, wo die Execution geschehen, einen Stein, welcher noch vorhanden sein soll, aufrichten lassen, 6.) zum Andenken dieses Tumults neue Capellen bauen; und 7.) sechs hundert Rheinische Gulden Unkosten bezahlen musste. Latomus in Chrono Cron: ad d.a. erzehlet diese Sache mit allen ihren Umständen, und was dabey forgefallen, welchen Bericht man hier zu inserieren gut gefunden, weil Crantzius und andere davon nichts genaues aufgezeichnet haben. Er schreibt davon folgendergestalt:

Es war zwar für dreyen Jahren zwischen dem König zu Dännemark und den Wendischen See-Städten ein Friedens-Vertrag getroffen. Wenn aber der König nichts destoweniger allerley Ursache zu Uneinigekiten gegeben; Als sind die Städte zu Rostock zusammen kommen und einhelliglich geschlossen: Dieweil man befunden, daß alle wegen Wiederstfftung und Erhaltung des lieben Friedens beym König verschte und gebrauchte Mittel und Wege nichts geschaffet hatten, Ihn mit gesammter Kriegs-Macht zu besuchen, und darauf eine grosse Armada ins Reich Dännemark, aber wegen Widerwärtigkeit des Windes und frühzeitiger Einfallung des Winters nichts ausgerichtet. Aber um den nchsten heiligen drey König Tag kamen der Wendischen See-Städte Gesandten abermahls zu Rostock zusammen, und haben von dem nechstbeschlossenen, und darauf angefangenem Kriege consultiret, und derwegen ihren Beschluß nachzusetzen, im Vorjahre ihre Armada wiederum ins Reich abgefertigt, welche dann daselbst mercklichen Schaden gethan, und grossen Raub auch Beute heraus gebracht hat. Bey diesem Ueberzug und zugefügten Schaden, war nun dem König nicht wohl zu Muthe, jedoch erdachte Er ein den Wendischen See-Städten sehr gefährliches und schädliches Stratagema, und ließ ein General-Schreiben an alle erwehnte Städte abgehen, dieses Einhalts: daß Er zwar allen ihren Bürgern und Einwohnern in Gnaden zugethan, und wohl gewogen wäre, thät ihm auch Weh, daß sie auf Ihrer Bürgermeister und Räte Getrieb, also müßten unverschuldet ihrer Nahrung beraubt seyn, und über das so grosse Geld-Spildung thun. Begehrte demnach sie möchten ihre Obrigkeiten dahin haben und halten, daß sie von der Behd abliessen, den Frieden suchten, und ihm seinen erlittenen Schaden erstatteten, alsdan wolte er nach wie vor der Teutschen Freund seyn, und ihnen in allen dreyen Königreichen ihre Nahrung und Kauffenschaft zu suchen und zu treiben nicht verbieten. Auf dem wiedrigen Fall aber solten sie aller Privilegien des Kauff-Handels und den Reichen beraubt seyn. Diese Briefe des Königs machten die Bürger und Gemeinen alletnhalben (ausgenommen zu Lübeck) aufrührisch und wach, daß sie fürderst von der Obrigkeit und der Sachen in Krugen und folgends in Versammlungen beginneten zu reden, bis sie endlich sich aufleheten und nach dem Regiment trachteten. Denn die Hamburger haben flucks einen Raths-Herrn Johann Kleiß enthaupten lassen. Ja in meinem Vaterland ist der Rumor-Teuffel gar Ketten-loß  und frey worden; denn als des Königs Briefe bey den Bürgern so viel Raum gefunden, daß sie angefangen wieder die Obrigkeit böses zu gedenken und zu reden; da scheuerte der Satan bey den Aemtern gewaltig zu, und brachte sie so weit, daß sie sich der Sachen sonderlich annahmen, kriegten auch viele der gemeinen Kaufleute, die sonst keinen Handel hatten, dann daß sie mit Hopfen, Maltz, Salz und Mehl in die drey Königreiche siegelten, auf ihre Seiten. Zudeme waren auch viele, von reichen Bürgern, die auch  gerne auf dem Regiments-Pulster gesessen hätten, darum fielen sie auch den Aemtern bey, und hatten Verlangen nach Auffruhr. Aber unter allen Aufwieglern waren der voenehmste und rechte Haupt-Mann Claus Jesup, der Wollenweber. Doch saget, er sey ein Pelzer oder Kürschner gewesen, der convocirte die Bürger und brachte etwas anders vor: Nemblich, daß unter dem Königlichen Schreiben ein Betrug vorhanden, und haben die Herren des Raths mit dem König ein heimlich Pact und Verbündniß gemacht, wie sie ihn wollen bey Nacht in die Stadt lassen, die Bürger zu erwürgen. Hierdurch verhetzet er die Gemeine wider den Rath. Insonderheit machte er am Tage Laurentii einen grossen Auflauff, und verschaffte, daß sich die Seinen auf dem Markte für der Schreiberey versammleten, trat herfür und sprach: Lieben Mittbürger! Die unverbeygängliche susserste Rath, hat die Versammlung und Unterredung verursachet. Denn es ist ein Mann von Sternberg (dafür wir Gott im Himmel und getreuen Nachbarn zu danken haben) anhers gesandt, der Gemeine zu treu gemeinter Vorwarnung in Geheim anzusagen, daß eine grosse Menge Kriegs-Volck im Lande hin und wieder versammlet, und wir Wissmarschen gar verrathen seyn. Sintermahl die Stadt wohl acht Tage zu dem Ende offen gestanden, daß gemeldetes Volck bey Nachtschlaffender Zeit die Stadt sollte einnehmen, die in Aemtern todtschlagen und die Einwohner gefangen nehmen: Will demnach uns obliegen, so lieb uns unser Guth, Leib und Leben ist, die Sache in guter Acht zu haben, und dem Unglück besten Vermögens vorzubauen. Hier fingen etliche an, seine Rede und Anbringen zu confirmiren, und sagten, das Lübecksche und Mecklenburgische Thor wäre offen und ein Mann mit einem  Wagen drinnen gefunden, und die Schlösser von den Pforten wieder abgeschlossen worden, und etliche aus dem Rathe dem Könige gewilliget und gelobet die Stadt bey Nachts offen zu liefern. Jans funden sich etliche die aussagten, daß ausser der Höllen-Pforten auf der Lastadi hundert gewapnete Männert gantz und wohl geharnischt gesehen worden, welche da sie die Pforte geschlossen funden, wieder umgekehret wären. Ob nun wohl der Mord- und Lügen-Geist aus der höllischen Pforten diese falsche Zeitung seinen lieben Getreuen eingeräumt und eingegeben und durch sie anbringen lassen: so fand dennoch die Unwahrheit bey der Gemeine solchen Beyfall, daß sie ergrimmet zur Stund den gantzen Rath gerne erwürget hätten, wenns nicht durch etliche wiewohl wenige gute Leute etlichermassen gehemmet und gehindert worden. Jesup aber, das abgefeimte Teuffels-Kind, trat mit seinem grossen Beystanf für dem Rath, der sich in Eil nach seinem Willen muste versammlen, und brachte ihnen die hochdringende Ursache dieser ihrer wohlgemeynten Zusammenkunft, mit heuchlerischer Demuth und Entschuldigung vor. Herr Johann Banschow aber der älteste Bürgermeister, dieweil er sich und den ganzen Rath aller und jeden angebrachter Bubenstücke unschuldis wuste, sprach zu Jesup und seinen Consorten: Sie solten die Schlüssel zu sich nehmen, und der Stadt Huth fleißigst in Acht haben, und da sie etwa Gefahr und Undglück würden vernehmen, in der Zeit sprechen; Ob nun wohl diese Antwort ein Sonnenklares Zeugnis eines unschuldigen Herzens und reinen Gewissens gewesen, ist doch dem guten Herren seine Erklärung von etlichen Historien-Schreibern zum Besten nicht gedeutet. Indem einem Rath solte rühmlicher angestanden seyn, wenn sie diese falsche Anbringer und Bezichtiger in einem Thurm hätten werfen lassen, weder daß sie des ganzen Raths Macht und Gewalt aus ihren Händen so liederlich vergeben haben. Der Rath macht hart Brodt zu Honig-Kuchen.
Nachdem nun denen Aufwieglern zum ersten Anlauff so viel Gewalt war eingeräumt worden, nahmen sich Jesup uns seine Adhaerenten der Sache mit Ernst an, theileten die Bürger für alle Thöre, und etliche viele hundert wurden bestellert die Nachtwache auf der Strassen zu halten. Diese Bestallung wäret eine Zeitlang hin, bis endlich die Aemter und etliche Bürger so für eilff Jahren auch mit waren im Regiment unter den neuen wieder abgesetzten Raths-Herren gewesen, sich versammleten, andere viele zu sich zogen, und kamen in der Kaufleute Häuser zusammen und verbunden sich endlich einer beym andern zu bleiben, und was einem überginge, solte dem andern auch übergehen. Auch ward beschlossen, da man jemand in der Stadt  könte antreffen, der daran schuldig, daß der Herzog von Holstein erschlagen: Item, daß die Schiffe aus dem Sunde wären gelaufen: Er ware binnen der ausser Raths, Bürger oder Amtmann, der solte das Leben verwirckt haben: Doch liessen sie sich hören,  daß sich ein Rath für der Gemeine nicht fürffte fürchten, denn der abgefeimte Heuchler und Bösewicht mit aufgerichteten Fingern ungendthiger Schwur, daß er den Rath handhaben und vermöge seines Endes, sein Bestes wissen und reden wolte, und bath man möchte ihm des Argwohns verzeihen: Als solte er darum die so hefftig treibenh, daß er begehrte ein Glied des Raths zu werden. Denn danan gleich ihn zu den Ehren setzen und erheben wolte, würde er doch solches nimmer annehmen.
Nach vollzogenen Verbündniß wählten sie zwanzig aus den Bürgern, und zehen aus den Aemtern, welche zwischen dem Rath und der Gemeine handeln solten; aber sie wurden bald wieder anders Sinnes, setzten die dreyßig ab, und wehlten aus jeden Krichspiel zwanzig, und also zusammen sechzig, die giengen zu Rath-Hause und brachten stets etwas neues, bis sie endlich schlossen: Sie hätten Ursache funden Herr Heinrich von Haaren Raths-Herr, solte und musste gegriffen und ins Gefängnis geleget werden. Allhie will ich geliebter Kürze halben vorbey gehen, wie oft die Gemeine, die Aemter, und die Sechzige zusammen kahmen: Wie etliche fromme Bürger gerne gesehen, einen Rath und Gemeine versühnet: Wie Jesup fast alle Abend mit seinen Verwandten und Conspiranten ihren sonderlichen Rath hielten, im Hause eines Bürgerst, Tideman genandt, und wie des anderen Tages was ihnen aus und bey der Bierkannen des Abends war eingefallen, als ein rechtmäßiges hochudhtiges Decretum den LX. und der Gemeine fürgetragen worden, will ich nur erwehnen: Als sie auf einen Abend beschlossen hatten, daß sie wolten Herr Hinrich von Haaren ins Gefängnis haben, da ließ Jesup darauf die Bürger in der Kaufleute Haus verbotschaften, und beschaffete, daß die Aemter mit allerley losen Gesindlein auf dem Markt sich versammleten, und Jesup kahm mit den LX zu den Bürgern in der Kaufleute Haus, und vermahnete einen jeden bey seiner Ehr, ihm aufs Rahthaus zu folgen. So bald nun ein Rath war aufgegangen, folgten die LX. und gaben viel ungereimtes Dinges vor; Endlich gingen sie zur Gemeinde hinab und fragten: Obs der Gemeine Wille wäre, daß Herr Hinrich von Haaren in dem Thurm gehen solte? da rieffen sie alle überlaut: Ja, ja, ja. Ob nun wol der gute Herr sich gerne verantworten, und Ursach, warum er ins Gefängnis gehen solte, wissen wollen; So war doch keiner der ihm Gehör geben wolte. Musste demnach sich ins Gefängnisch einstellen: Des andern Tages ward auf des Jesups heimlich unterbauen, von den Salz-Schiffen die der König von Dännemark im Sund genommen: Item von Kröpelin der Ostwerts hätte segeln sollen, ein Gerüchte gemacht, dessen niemand anders Ursache gewesen, denn Herr Johann Bauschow der Bürgermeister: Auch ward gesprenget, daß er sein Guth hätte wegführen lassen, ein Theil nach dem neuen Klsoter und ein Theil nach Schwerin, derohalben wäre die Vermuhtung, er würde aus der Stadt zeihen: Irem es traten andere herfür und sagten, er hätte sich von der Fürstinnen von Mecklenburg zu Schwerin gleiten lassen, und möchte wann er aus der Stadt kähme, beyde den Bürgern und der Stadt grossen Schaden anrichten. Dies alles fiederte uns staffirte Claus Jesup und seine Conjuncten, auf daß die Gemeine gewilligte, daß Bürgermeister Banschow ins Gefängnis möchte eingezogen werden. Dieses ward nun der Bürgermeister durch fromme Bürger erinnert und gewarnet, auch darnebst gebehten: Er möchte sich, wo möglich aus der Stadt begeben und dem Rauch weichen. Jedoch daß er unvermerckt zuginge, ließ er sich zweyenmahl auf dem Markt sehen, und ging die Danckwerts-Strasse hinunter nach dem Mecklenburgsichen Thor: Aber es waren etliche unter den Aemtern, sonderlich die Becker, so diesen Bürgermeister darum (daß er so hart in sie gedrungen, nach bestimmten und beliebten Gewicht das Brodt zu backen,) sonderlich gramm waren, luchten auf ihm und als sie vernahmen, daß er nach dem Thor ging, machten sie schleunig auf dem Markt ein Geschrey, wie Banschow beginnete zu weichen, da ward einem Becker, Homberg genannt, befohlen, ihm zu folgen und ihn wieder zu hohlen, das that er und waren seine Ampts-Brüder mehr den willig dazu, und griffen den guten Herrn ausser dem Thor, jenseit des Creutzes, bunden ihn wie einen Missethäter und führten ihn also auf dem Markt für der Schreiberey, da etliche aus dem Rahte, und viele aus der Gemeine beysammen stunden.
Da tratt das Lüben-Maul, Claus Jesup, herfür und vermahnete die Gemeinde ihre Wehren zu hohlen, den Herrn Banschowen Freunde und Verwandten sagte an, beginneten sich zu sammlen und zur Wehr zu lauffen:  Dies ertichtete der Bösewicht, damit er nur die Gemeine desto rasender machte, und den Rath desto mehr ängstigte, da kahmen aus der Gemeine bey drey-tausend Menschen auf den Markt, und als solches die LX. sahen, gingen sie mit Herr Johann Banschowen aufs Rahthaus, welches die Gemeine stracks umringete, schrieen, rieffen, und tobeten wie die Hunde und wußten selbst nicht was ihnen mangelte. Ein Rath aber saß in grossen Furchten und besehrten sich alle des Todes: Jesup aber hielt unterm Schein mit den LX. Rath, leiß sich hören, als meinte er die Sache sehr gut, find derohalben an zu klagen und zu barmen, daß er kein ander Mittel sehe oder zu derdencken wüsste, die Gemeine zu stillen, und aus einander zu bringen, ohn allein, daß Herr Johann Banschow in den Thurm ginge, bis das Volk gestillet würde und getrennet worden. Der gute Herr, damit seinetwegen nicht ein ganzer Rath in Gefahr und Schaden kommen möchte, willigte in den Thurm zu gehen; Alsobald ging Jesup mit etlichen aus den LX. an die Gemeine, und sprach mit lauter Stimme: Lieben guten Freunde, gebet euch zufrieden, und thut niemand Gewalt noch Ueberlast. Denn ewer Bürgermeister soll euch allen zu Gefallen in den Thurm gehen: Da nun Jesup für den Raht wieder kahm, begehrten etliche aus dem Rath, die Herren Banschowen Freunde waren, daß sie ihn möchten vorbürgen und für ihn caviren, nicht anders als wenn er schon im Gefängnis wäre: Aber Jesup antwortete: Es stünde in seiner und seiner Verwandten Gewalt nicht, derowegen musste der gute unschuldige Herr nach dem Thurm gehen, und der ganze Hauffe folgte ihm mit Spiessen und anderen Wehren, legten schwere Helmen um seine Füsse und wussten nicht, wie feste sie diese zweeye Herren verwahren wolten. Zudem bestelleten sie die Wacht für dem Gefängnis auf der Strasse Tag und Nacht, zu Pferde und zu Fusse, bestelleten auch die Wacht für allen Thoren und trieben viel und groß Gespött mit diesen Gefangenen. Nach wenigen Tagen kahm Jesup wieder für dem Rath mit seinen Verwandten, und verschaffte (doch ohnw wissen der LX und der Gemeine) so viel daß Herr Heinrich von Haaren mit Bewilligung des Raths aus dem Thurm in die Fronerey gebracht wurde. Wunder ist, daß ein Bube mit winigen Conspiranten eine ganze Gemeine seines Gefallens also hat zwingen und verleiten können. Darnach rathschlagten sie ferners, wie er möchte getödtet werden: und wie Jesup diesen Rathschlag den Sechzigen vorgab, vereinigten sie sich die erbsessene Bürger und den Kauffmann in der Siegler Compagnie zu bescheiden und die Sache daselbst zu tractiren. Wie nun  die Vota umher ging, wurden sie der Sachen eins, man solte den beyden Gefangenen Lübeckisch Recht gönnen und wiederfahren lassen, und was ihnen darinn zuerkandt würde, dessen solten sie geniessen, das solte ihnen Weh und Wol thun, und solte man weder ihnen noch jemand anders wider Recht keine Gewalt thun. Da Jesup das hörete, sprach er: Wird man ihnen Lübisch Recht vergönnen, so wird man sie nimmer tödten, gebrauchte demnach seine unrete alte Teufels Stücke, und hatte unterdes bestellet, daß die Aemter mit ihrem Volk aufm Markt zusammen lieffen mit ihren Wehren, ohne die so sich in den Brodt-scharren und etliche Häusern versammlet hätten. Derswegen hieß er die LX. und die anderen Bürger allda versammlet aufm Markt folgen, denn er hatte die Seinen da schon zur Stelle, mit angehengter Dräuung, da sich einer oder mehr unter ihnen würden absentiren, den oder dieselbigen wolte man des Verdachts der Verrähterey nicht verziehen, und solten gleich den anderen hingerichtet werden. Auf welche Dräu-Worte durffte sich keiner von den LXgen oder anderen Bürgern absondern, ohnangesehen daß viel ehrliche Leute darunter waren, die in ihren Herzen an solchen wiederrechlichen Proceels keinen Gefallen trugen. Aber sie wussten, daß dieser Bösewicht die Aemter zur Hand hatte, dieweil auch Jesup einen Raht convociren lassen, so versägte er sich mit seinen Adhaerenten auch dahin und brachten die Vorsprecher zu dem Ende mit, daß ihrer geschlossenen Abrede nach, der jüngst Vorsprach den guten Herrn im Rahmen des königlichen Anwalds für einen Verrrähter der gemeinen Städte, und für dem Berge in Schleswig, unf dür dem Sunde verklagen solte. Begehrten darauf vom Rath, daß Herr Heinrich von Haaren möchte gerichtet werden. Ein Rath antwortet, so jemand ihn wolte anklagen, wolten sie nach Lübeckschen Recht wider ihn verfahren. Da sprach Jesup: Sie wären nicht gemeinet, um und wider ihn nach Lübeckschen Recht zu dingen. Ein Raht sähe ja wol, wie sie von der verbitterten Gemeine gedrungen würden, da sie nun der Gemeine zu willfahren ihn nicht würden richten lassen, so möchten sie mit ihm ihr Abentheuer stehen; Sie könnten einen Rath nicht länger vorbitten oder ihm für Schaden sagen. Üeber das  erdungete dem Raht noch ein Unglück, daß Hamburg mit den Seinen das Rahthaus aufgelauffen und mit Aexten, Speissen, Schwerdten den Rahtstuhl umringet hatte, also daß sie alle Todes Gefar sassen.  Zu dem so waren etliche unter den Schzigen und andern Bürgern, welche in gleicher Gefahr stunden, darum daß sie sich erinnerten, wie offt sie dem Jesup in seinem bösen Vorschlägen ziemlich hart eingeredet hatten. Dereswegen wusste sich ein Raht nicht zu rahten, doch sprachen sie zu Jesup und seinen gewapneten Hauffen: Liebe Bürger! Lasset uns doch um Gottes und der Gerechtigkeit willen nicht ander vornehmen oder thun, weder daß wir jederzeit für Gott und jedermann mit Ehren mögen bekannt seyn und zu Recht verantworten können.
Hierauf nahmen Jeup und seine Conjuratorn einen kurzen Abtritt, kahmen wieder für dem Rath und sprache: Es muß und soll nicht anders seyn, er soll sterben. Und als ein Rath fragte: Warum ? was er Todes würdiges begangen? Sprachen sie: man solte ihn mit dem Königlichen Wolt überwinnen. Ein Raht wendete seine Unschuld für, und wusste solchen wiederrechtlichen Procels weder zu billigen noch zu verantworten. Dawieder schrey die Gemeine überlaut! So ein Rath ihn nicht wolte richten lassen, solten sie alle vor ihren Händen sterben. Als ein Rath solchen Ernst und Drau-Wort hörete, sandten die Richtherren ins Gericht; Aber Jesup war damit nicht ersättiget, sondern zwang noch dazu den Rath, daß sie sich müssten verpflichten, alles nebst ihnen zu verantworten, und auszuführen, was künfftig daraus entstehenmöchte.
Nach geschehener dieser Verpflichtung, ward Herr Hinrich Haaren aus der Fronerey für das Gericht ungebunden gebracht, da sprach der Vorsprach wegen des Kahlträgers der die Stäte hielt des Anwalts des Königs: Es hat Herr Hinrich von Haaren die Städe beyde fürin Berge zu Schleswig, in in Nordersund verrahten, beschuldigte ihn dmenach als einen gemeinen Stadt-Verrähter. Da antwortet der Beklagte: Er hätte sein Lebetage und sonderlich in den vom Reich, der Stadt und gemeinen Bestens wegen ihm anbefohlenen Sachen nicht anders gehandelt, weder einen ehrlichen Manne wol anstünde und gebührete, begehrte auch da jemand Wissenschafft hätte, daß er anders und dawider gehandelt, so solte herfür treten, um ihnen dessen mit Rechte zu überzeugen.

Ob nun wol niemand auftratt, auch keine Bekänntniß, keine Zeugniß, keine scheinbare That oder Sichtung da war, sondern er dallda stund, wie ein unschuldig Lamm; so mochte ihm doch solches alles nicht helffen, denn der Vorsprach dingete fort nach dem Bund, und seinem Höhesten. Da rieff Herr Hinrich überlaut über die grosse Gewalt und Unrecht, so ihm wiederfuhr, schalt das Urthel für den Raht; da fragte der Richter der Gemeine: Ob sie ihm die Scheltung wolten gestatten? Dauauf rieff der ganze Hauffe auf Eingebung Jesups und seiner Verwandten: Nein, nein ! Da ward er gebunden wie ein Missethäter, und ein Scharffrichter theilte ihm das Wedde, daß man ihn solte aus der Stadt schleppen und auf ein Rad legen: Es wäre dann, daß die Herren von Wismar ihn begnaden wolten. Auf ergangen Urthel ließ ein Rath die Sechzig aufs Rathaus fodern und fragte: Obs nicht geschehen könte, daß man dem guten Mann das Urthel verleichtern möchte? darauf gaben sie nach genommenen Abtritt zur Antwort; So Herr Hinrichs Bruder sich versiegeln und verbriefen würde, daß weder er noch jemand anders auf die Erleichterung stehen wolte; so könten sie ihm wol Gnade wiederfahren lassen. Der Bruder machte nicht langes Bedenken; sondern ließ ein Schreiben ihres Gefallen stellen, damit nur sein Bruder des jämmerlichen Todes nicht sterben möchte. Mittlerweil daß der Brief geschrieben ward, erlaubten sie ihm aufm Rahthause seine Beichte zu thun. Darnach führet ihn der Scharfrichter mitten aufm Markt, da er sich auf ein grau Tuch niedersetzte, und schlug ihm das Haupt ab. Da traten also sein Bruder und andere Freunde hinzu, legten ihn in einen Sarg und trugen ihn in sein eigen Haus, und ward hernach nach der Zeit- und Stadt-Weise ehrlich mit Vigilien zur Erde bestätiget.

Aber Jesup konte seine teuflische Mord-Stücke noch nicht stecken lassen, denn er verboth in allen Compagnien, daß ihm niemand das Baldich muste senden, daß dieselbigen ihn, wie gebräuchlich, nicht durften zu Grabe tragen. Derowegen kauffte seine Haus-Frau ein schön gülden Stücke, deckte ihm das über, und bestellete ehrliche Leute, die ihn ins Chor zum scharzen Mönchen trugen, da er vorhin seine Grabstädte selbst erwehlet, einen herrlichen Stein mit Helm und Schilde und Leisten von Messing schön verzieret, hat legen lassen, daselbst ward er begraben, und solgten ihm viel ehrliche Leute, nicht anders als wenn er aufm Bette gestorben wäre. Nachdem nun Jesup durch Hülffe und Getrieb des mordsüchtigen Satans dem Raths-Herren das Leben hatte abgespracticiret, richtet er seine Gedanken dahin, daß der Bürgermeister Herr Banschow denselben Gang auch gehen möchte. Derowegen sifftete er aber eine Versammlung der Seinen an, zudem kamen die Bürder auch in der Siegler-Compagnie zu Hauffe, und beginneten nach den Ursachen: Warum Jesup gemeynet ihn zu tödten? zu fragen: Aber Jesup gebrauchte die Solution die er in voriger Consultation vom Raths-Herrn gebraucht hatte: Nelich er brächte seinen Hauffen in Harnisch und trieb ihn zu Markte, und da ihm dauchte, daß sich die seinen häufig sammleten, lieff er in gemeldte Compagnie und rieff: daß alle Bürger so viel da wären, aufm Markt kommen solten: oder da einer ausbliebe, der solte des Verräthers Lohn zu erwarten haben: Mussten also die Bürger folgen; auch kan ein Rath aufs Rath-Haus, die Gemeine stund da, mit ihren gewetzten Rationibus und schrien, wie unsinnige Leute: Ins Gericht ! Ins Gericht! das ist: Die Richter solten sich stracks niedersetzen, Herrn Banschowen zu richten und zu verdammen: Aber unter den Sechzigen waren noch etliche gute Leute, die es gerne anders gesehen hätten. Dieselbigen, ob sie wohl nicht mehr konten schaffen, brachten sie es doch so ferne, daß Herr Banschow erstlich aus dem Thurm in die Fronerey gebracht ward, und zwar in Nennung die Sache dadurch zu differieren. Obs Sach, daß man mittlerweile zu andern Wegen gerathen könte. Als nun die Richt-Herren nach dem Thurm gingen folgete die ganze Gemeine, und ward der Bürgermeister auf Jesups Getrieb, in die Diebes-Kammer gesetzet, und mit Helden, Ketten und Schlössern wohl verwahret. Wenig Tage hernach, soll des Bürgermeisters Hausfrau, die Josup vorhin zur Gevatterin gebeten hatte, ihm um ihres Ehe-Mannes Erledigung willen, einen Hand voll Gold-Gülden hingebracht und danebst fleißig gebethen haben: Er als ihr lieber Gevatter wolle doch das Beste vorwenden und rathen helffen, daß sie ihren Herrn wiederum aus dem Gefängnis möchte los kriegen, da soll er zwar die Gulden genommen, aber die traurige Gevatterin vor die Thür geleitet, den Klocken-Thurm von Marien ihr gezeigt, und gesaget haben: Gevatterin, wenn eurem Manne der Hals so dicke wäre als der Thurm, so soll und muß er ihm doch aufm Rumpff nicht bleiben! das war ein böser Trost, für die guten Gold-Gulden.
Darnach ruhete auch dieser Bluthund nicht, sondern hielte mit den Seinen viele Rathschläge, lieff oft für die Sechzigen und ließ sich hören: Die Gemeine wäre durchaus nicht emeynet einen solchen Verräther leben zu lassen, und hiel an man solte den Rath und Gemeine zusammen fordern lassen; brachte es auch dahin, daß die Gemeinen mit ihren Wehren aufm Markte kamen, machten viel Geschrey und drungen in den Rath, daß die Richt-Herren aber mussten ins Gericht gehen, da musste der Köhlenstürzer wie vorhin als des Königs Anwoldt Kläger seyn, und ward Herr Banschow fürgestellet: darauf fing der Vorsprach an zu klagen; als über einen Meyneidigen und Verräther der Stadt Wismar, da die grosse Versammlung des Volks im Lande gewesen war. Item: daß die Stadt sechs Nacht- und die Schlösser für den Thürmen offen funden, und er weichhafftig worden wäre, da er doch der Stadt einen Eyd geschworen, bey der Gemeine Leib und Guth aufzusetzen. Zu dieser Klage antwortet Herr Banschow: daß er sich in seinem Gewissen für Gott, und aller Welt, solcher beygemessenen Stücke, unschuldig wüsste: Hätte auch bey der Gemeine allewege so gehandelt, wie ers für Gott wolte bekannt seyn, und verantworten, daß ihm aber etliche der Aemter feind wären, darum, daß er das Recht gehandhabet und das Unrecht gestraffet hatte. Solches wolte uns müsste er Gott zu richten heimstellen. Insonderheit sprach er zum Vorsprachen: Roggendorff du weissest, daß ich der Stück deren du mich bezichtigest keines schuldig bin: da sprach der Vorsprach: Lieber Herr vergebet es mir, ich muß es thun, es ist mir befohlen. Da sprach der Bürgermeister mit lauter Stimme: O Herr Jeus Christe, ich bitte dich vergibs ihnen, dasi sie unrecht an mir thun. Der Vorsprach dingete fort um den Bund, und ward ihm zuerkandt: Herr Banschow schalt das Urteil für den Rath, aber der gottlose Haufe der Gemeine wolte es nicht gestatten. Da dingete der Vorsprach endlich nach dem Urthel und rieff darauf der Scharfrichter: Man solte ihn aus der Stadt schleppen, auf ein Rad setzen, und darnach über alle Diebe an dem Galgen hengen: Diesen Lohn sagt die Chronike, gab die Gemeine ihren Bürgermeister dafür, daß er manche schwere Reise zu Wasser und zu Lande um das gemeine Beste, nemlich der Stadt- und Bürger Privilegien zu vorfechten, gethan und drob gehalten, daß der gemeine Mann billigen Kauf an Bier, Brodt und Fleisch haben möchte, wodurch er der Becker, Brauer und Fleischhauer Feindschafft auf sich geladen hatte.
Nach gefälleten Urtheil lief der älteste Sohn des Bürgermeisters, Hans Banschow, aufs Rahthaus, fiel für die Sechziger auf seine Brust zur Erden, und bath mit Vergiessung seiner Trähnen um Gottes willen das Urthel zu ändern und zu mildern. Da hub einer von de LXgen den guten Gesellen auf, und führet für ihm das Wort, bis die Sechzige mit ihm vor den Raht traten und so weit gehandelt ward. Nachdem sein Bruder, und sein Schwester-Mann Götecke, aus Wismar wären, woferne er durch seine Freunde genugsahm caviren wolte, daß weder er noch sein Bruder, noch jemand anders, gebohren oder ungebohren zu jenigen Zeiten darauf pochen solte oder wolte, so wolten sie ihm Gnade beweisen, der Sohn willigte bald zu schreiben, wie sie es nur begehrten. Dieweil aber sein Schwager und Bruder nicht zur Stelle, bath er um Gottes willen ihm so viel zu vergönnen, daß er nach Lübeck möchte reiten und dieselbigen herhohlen, auf daß sie mit versiegelten, und seinen Vater so lange mit Barmherzigkeit zu verwahren. Solches geschahe und ritte der Sohn gen Lübeck, aber der Bruder und Schwager wolten den Frieden und Geleit nicht glauben und blieben zu Lübeck, jedoch versiegelten sie den Brief. Mitlerweil daß der Sohn nach Lübeck kommen war, kahm der Bischof von Ratzeburg, der den Sprengel über Wismar hatte, nach Wismar und verschaffte so viel, daß Herren Johann Banschoven das Sacrament ward gegeben. Als nun der Sohn wiederkommen, und die versiegelte Caution übergeben war, ward der Bürgermeister rech unter der Mahlzeit durch den Büttel fürs Gericht und von dannen mitten aufs Markt gebracht, bey der Städte da Herr Hinrich von Haaren enthauptet war, da setzte er sich auf einen grauen Tuch nieder, weil aber viel Volks zulief, erschrak der Büttel, richtet ihn übel, hieb ihm in die Schulter und musste ihm endlich das Haupt abschneiden, da traten seine Freunde zu, und legten ihn in einen Sarg. Er hatte aber vorhin befohlen, man solte ihn, so blutig wie er getödtet wäre, darinnen legen, und also seine Unschuld zu zeigen, für und zu Gott kommen lassen: Ward also in sein Haus getragen, und wie damals gebräuchlich mit Vigilien  und ehrlichen Persohnen zur Erde bestätiget. Aber die Wittwe wolte nicht, daß ihm ein Baldig, sondern nur ein weisses Leinen Laken muste überdecket werden, welches dann ungewöhnlich und anzusehen sehr kläglich war. Es schreibet Herr Reimar Koch, der ein Wismarsch Kind und hernach zu Lübeck Prediger worden ist, in seinem Lübschen Chroico: er könne sich nicht genugsam darüber verwundern, warum doch niemand weder binnen Raths, noch aus der Bürgerschafft, oder aus seiner Freund- und Schwagerschafft etwas zur Sachen zu thun sich unternommen habe, da dieser Herr gefangen gesessen, zuvoraus nach dem Tode Herrn Heinrichs von Haaren; sondern haben den gemeinen Mann rasen und regieren lassen, da doch die Stadt unterm Herzog von Mecklenburg, der nahe bey der Hand gelegen, und man nach Herrn Banschowen Tode die Fürstliche Wittwe und des Landes Regenten wol konte in die Stadt kriegen, komme ihm die Sache demnach also für, dieweil man so liederlich in ihre Gefängnis gewilliget, uns sie nicht geweigert und beschweret, ein Blut-Gericht über sie zu hegen, daß diese Herren ihnen von den Seiten gerissen, und aus den Augen sind gebracht worden. Lieber Gott! schreibet er, ist denn da keine Furcht Gottes gewesen? Hat sich den niemand unschuldig Blut zu verdammen, und zu vergiessen und dessen Rach auf sich, ja auf die ganze Stadt und ihre Nachkommen zu führen, und zu laden gescheucht? oder ihm darüber ein Gewissen gemacht. Hat denn ein Rath nicht gesehen, wie die Gemeine ihre Hände gewaschen, sich geschmücket, und ihnen als diese Herren durch ihre Richtherren zum Tode verurtheilet, und richten lassen, die Vergiessung des unschuldigen Bluts zu verantworten befohlen hab? Wäre es nicht besser, Christlicher, und ihnen rühmlicher gewesen, daß sie ihr Leib und Leben daran gesetzet, denn daß sie ihr Gewissen so liederlich versehriget, und unschuldig Blut durch ihre Richter verdammet und vergossen, auch sich der rasenden Gemeine zum ewigen Schimpff untergeben haben. Aber das unschuldige Bluth hat dermassen zu Gott um Rache geruffen und geschrien, daß von der Zeit an die gute Stadt Wismar an Glück und Nahrung bis auf den heutigen Tag sehr abgenommen hat. Was auch seithero offt für Zwist und Zweytracht zwischen dem Rath und der Gemeine geschebet, wird an seinem Ort nach Gelegenheit gemeldet werden.
Dieses war der Effect und Ausgang den des Königes in Dänemark erici Briefe zur Wismar ausgerichteten.

Anno 1441 ist Wismar durch einen Mordbrenner angestecket und viele grosse Häuser jenseits der Grube abgebrandt, der Thäter aber gerädert worden.

Anno 1460 hat der Bischof zu Ratzeburg, Johann Preen, die St. Nicolai Kirche in Wismar am Tage Michaelis eingeweihet, daran 23 Jahre gebauet. Ein Vorsteher, Gerd Gasse, hat 2 grosse Glocken, wie auch die Orgel der Kirchen geschenket.

Anno 1462 ward ein Bürgermeister, Peter Lange, beschuldiget, daß er falsche Briefe gemacht. Wie er nun vermerkte, daß sein verleugnen nicht helfen wolte, machte er sich nach Lübeck, und da sein Sohn, ein Lübeckischer Dohm-Herr, grosse Dräu-Worte von sich hören ließ, ward er gefangen, entkam aber der Gefängnis. Der Fürst nahm sich des Vertriebenen an, und ward auf Unterhandlung der Lübecker der Bürgermeister wieder in sein Amt gesetzt.  Eod. A. geriethen die Wismarschen mit ihrem Landes-Herren in Zwistigkeiten, weil sie ihm die verlangte Contribution und Dienste nicht schuldigst geleistet hätten. Der Herzog Heinrich incaminirte also bey dem König von Dänemark, daß ihnen sub sub poena Confiscations die ganze Handlung in des Königs Landen verboten ward, bis sie ihrem Landes-Herren gehorsahm wären. Die Deputirte von Wismar fanden sich alsbald zu Segeberg, allwo der König der Zeit sich aufhielte, ein, und submittirten sich, mit Bitte zu gütlichen Tractaten hierüber zu schreiten. Der König und Herzog Heinrich liessen sich solches endlich gefallen da denn zu Reinfeld den 1. September die Conferenzen  hierüber angefangen, aber abrupirett, nachher den 14. September aber in Wismar wieder vorgenommen und solchergestalt die Sachen reguliret wurden, daß die Wismarschen 10000 Rheinische Gulden Straffe erlegen und die verlangten Praeftanda entrichten mussten. Zur selben Zeit kam Marnus de Fregeno hier im Lande, und verkauffte den Ablaß. Albrecht von Gülen hat diesen Ablaß-Brief 1474 den 25. Februar zu Güstrau gekaufft. Dieser Ablas-Krämer reisete von Wismar nach Lübeck und verlohr unter Wegens einen Beutel mit 4240 Gulden nicht weit von Grevesmühlen, welchen eine arme Frau fand, so es ihrem Mann zustellete. Als nun dieser Verlust ruchtbahr ward, die Nachbahren auch merktenh, daß die arme Leute sich aufnahmen wurden sie dieserhalben befraget, welche auch bekannten, daß sie das Geld gefunden, welche es dem Landes-Herren berichteten, und auf dessen Befehl und Quittung die Gelder demselben einsandten, nachdem sie des Landes-Herren Räthen, Jochim von Prenz und Lütcke Basswitz einen cörperlichen Eyd geschworen, daß sie nichts davon untergeschlagen. Ob nun wohl Marinus bey Herzog Heinrich um Restitution des Geldes bath, so wolte er doch davon nichts wissen, weil er den Ablas-Handel ohne seine Erlaubnis getrieben, und praetendirte der Herzoch noch dazu die Restitution des übrigen erpreßten Geldes, worüber Maine sich heimlich davon machte, aber Anno 1465 in Pohlen eine gleiche Fatalität erlebte, indem ihm der König alles Geld nehmen und ihn gefänglich einziehen lassen.

Anno 1481 ward ein Mönch und Priester in Wismar gefangan genommen, der, seines ehrbahren und heiligen Ansehens ungeachtet, die Kleider alle Tage wandelte. Bald war er ein Bauer, bald ein Kauffmann, bald wieder ein Priester; des Nachts aber wanderte er umher auf seinen Gewinn, und hatte einen Gürtel mit Haken um sich, damit er sich einband, an statt vieler Hände, an welchen er seine gestohlenen Sachen wegtrug, an Haus-Geräth, Büchern, Kleidern, ob sie gleich ungemacht beym Schneider hingen, und andern Dingen mehr. Er durchwanderte also alle benachbarte Städte, und hatte die Reichen sonderlich aufgeschrieben, da er ging trug er die Verzeichnis bey sich. Wo er nun allbereit eine Beute geholet, bey deren Rahmen machte er ein Zeichen, daß sie ihn gleichsam bezahlet, und zehlete sie weiter von der Schuld los, die anderen hielte er noch für Schuldener; jedoch hatte er keinen gewisse Summe dabey gesetzt, was er jeden zu stehlen gemeinet. Es ist in diesem Strich an der See-Kante keine Stadt gewesen, darinnen er nicht gestohlen. Einstmahls nahm er dem Danziger Bohten sein Bündel, darinnen etliche tausend Gulden waren, die er aus den Westerschen Städten abgeholet, und in die Osterschen bringen solte, darüber viel andere in Verdacht gezogen wurden. Auch fand er einen Leinen Priesterlichen Unterrock, samt dem Meßgewand, und daben einen eisernen Pazer da er nicht hingelegt. Diese ungleiche Kleider trug er hinweg. Endlich ward er durch ein geringess Buch verrahten, welches er seinem Nachbarn gestohlen, und zum Schönberg im Thurm geworffen, darin er gestorben.

Anno 1510 haben die Wismarschen nebst den Lübeckern, Rostockern, Stralsundern mit Rauben und Brennen in Langeland, Möhn, Bornholm und Blekingen grossen Schaden gethan. Vor Helsingör nahmen sie mit 15 Schiffen 13 Schiffe, und brachten sie mit grossen Raub nach Travemünde.

Anno 1521 den 3. Junii ist in Wismar ein grosser Tumult entstanden, weil die Reichen alles Korn an sich brchten, nach Holland führeten, und dem gemeinen Mann kein Korn einzukauffen, gestatten wolten.

Anno 1522 hat allhier Henricus Mellensius in der Kirche zu St. Georg wider den Pabst geprediget, und gegen ihm ein Münch Henricus Neverus im Franziscaner-Kloster mit schelten und pochen einen grossen Allarm in der Stadt angerichtet.

Anno 1551 ist in dem grauen Kloster nach vertriebenen Mönchen die Stadt-Schule angeordnet und M. Gregorius Wend allda der erste Rector gewesen.

Anno 1578 ist das Concordien-Buch in Wismar gesandt, und darüber 3 Pastores, als M. Bahlius Michaelis, Superintendens, M. Thomas Holzhüther und Johann Isenstedt abgesetzt, weil sie solches nicht unterschreiben wollen.

Anno 1597 den 25. September ward ein reicher Bürger, Nahmens Carsten Hofmeister, in seinem Bette erstochen gefunden. Man muhtmassete, daß er sich selbst entleibet hätte, weshalben er durch den Schinder ausgeführet und hinter der Vogelstang, nicht weit vom Salzhafn, begraben worde. Es ließ hierauf der Herzog Ulrich dessen Güter confisciren und durch den Hauptmann vom Neuen Kloster, Diedrich von Stralendorff, solche in Besitz nehmen, und das Fürstliche Wapen am Hause schlagen. Zwey Jahr nachher, nemlich Anno 1599 ward die zusammen gebrachte Türkensteur vom Rahthause gestohlen, und kam aus, daß Jürgen Treyman sowol den Diebstal als vorerwehnten Mord begangen, weswegen der Herzog Comissarios zur Untersuchung der Sache verordnete, welche am 15. April ca. in Wismar kamen, die Sache zu untersuchen, und den Inquisiten nach Rostock bringen lassen, allwo er mit dem Rade von oben her gerichtet und an einem Galgen gehangen, endlich aber auf grosse Intercession in der Nacht abgenommen und begraben worden.

Anno 1628 muste sich nebst dem ganzen Lande auch dieser Ort an den Kayserlichen ergeben.

Anno 1631 ward Wismar von den Schweden und dem Herzog, nachdem Rostock eingenommen, belagert. Die Keyserlischen thaten einen furieusen Ausfall, wurden aber mit beyderseits Verlust hineingejaget, darauf der darin commandirende Obrist Gram sich auf gewisse Conditiones ergeben, und folgendes Jahr im Januario abgezogen; weil er aber ein und anderer Dinge beschuldiget, hat man ihn nachgejagt, eingeholet und zur Satisfaction gezwungen.

Anno 1638 that die Wismarsche Besatzung einen Ausfall und überrumpelte in aller Stille die Kayserlichen, fiel auch kurz hernach wieder aus, und ruinirte 2 Kayserliche Regimenter.

Anno 1648 ward diese Stadt nebst der Insull Poel und dem Amte Neuen-Kloster an Schweden durch den Ossnabrüggischen Friedens-Schluss abgetreten.

Anno 1653 den 12. September ward allhie das hohe Königliche Schwedische Tribunal für die Bremische, Verdische, Pommersche und Rügische Lande durch Graf Benedix Orenstirn, den Praesidenten, eröffnet, in Beyseyn des General-Lieutenants Bay Kulls, Obristen Volkmanns und anderer; der Vice-President, 4 Rähte und mehr dazu gehörige Bediente vorgestellet, jedem seine Bestallung vorgelesen und in Pflicht genommen.

Anno 1660 kamen 13 Kriegs-Schiffe unter dem Major Ugla vor den Haven, und brachten einige Priesen mit Weizen und Habern beladen. Selbigen Jahres leiß der Kayserliche General-Feld-Marschall Montecuculi dem Commandanten den Frieden notificiren.

Anno 1670 sollen allhie 2 Creuze, als ein weisses und gelbes, sich haben sehen lassen.

Anno 1676 wurden von hiesiger Weide von 700 Brandenburgischen Reitern, des Nachsetzens und Schiessens ungeachtet, 1000 Stück Vieh weggetrieben, auch ward die Stadt von 6 a 7 Regimentern Dänischer Völker blocquiret. Den 5. Nobember wurder der Walfisch, worauf 52 Mann, 19 Stücke, und das Schiff der Falk, darauf 64 Matrosen und 24 Metallene und 6 Eiserne Stücke und viel Wein, Gewürz etc. auf eine Tonne Goldes geschäzt, per Accord, ohne daß ein Mann erschossen, erobert.  Den 12. Dezember ging das neue Werk mit Sturm über, weil es nur mit 60 Mann versehen war. Die Stadt steckte darauf einen weisse Fahne auf den Marien-Thurm aus, und erhielte alle Privilegia, wie sie solche bey Herzoglicher Zeit gehabt, auch die andern einen guten Accord. Den Tribunals-Rähten wurde frey gestellt, mit einem sichern Geleite zu reisen wohin sie wolten, oder auch in der Stadt zu bleiben, jedoch wurden alle Archiven und Akten des Tribunals in des Königs von Dänemark Gewalt genommen, die Stadt mit 5 Regimentern besetzt und die Schwedische Garnison, so kranke als gesunde 800 Mann stark, nach Stralsund convoyret.

Anno 1679 im Juli, ließ Dänemark die hier befindliche metallene Stücke und Feuer-Mörser nach Copenhagen führen. Den 25. September zog die Dänische Guarnison bis auf 200 Mann aus Wismar.

Anno 1680 den 23 November ward die Stadt an Schweden evacuiret.

Anno 1699 den 28 Juli zündete allhier der Blitz einen Pulver-Thurm an, wovon sehr viel Häuser ruiniret wurden, auch etliche Kirchen Schaden litten.

Anno 1703 den 7. September, wehete der Nicolai-Thurm herunter, wodurch das Gewölbe mit ruiniert worden. Eine Frau, der Glockenleuter nebst 2 Dienst-Mägden, welche zur Beichte gewesen, haben in der Kirche ihr Leben schmerzlich enden müssen. Ein Provisor, Thurmdecker und Arbeiter, so eben auf dem Thurm waren, falvirten sich in ein Loch der Mauer und wurden folgendes Tages herunter gewunden.

Anno 1711 den 14. August kamen Ihro Königliche Majestät Friedrich IV. von Dänemark mit 13000 Mann Infanterie und 11000 Mann Cavallerie vor der Stadt an, und schlugen ihr Lager bey dem Dorffe Lübau auf. Obrist Bassewitz that einen Ausfall, allein unverrichteter Sache. Die Armee marschirte weiter, 6000 Mann Cavallerie aber blieben bey Wismar unterm General Rantzau. Den 7. September tentirten die Schweden wieder einen Ausfall, mussten aber bald zurück weichen. Den 9. September hatten einige Auscommandirte aus dem Dorffe Schickau bey 100 Stück Rind-Vieh weggenommen; die Dänische Dragoner erlegten aber einige Mannschafft und brachten das Vieh wieder an seinen Ort.
Den 15. Novebmer des Abends wolte eine hiesige Parthey dei bey Warnemünde liegende Dänische Artillerie- und Ammunitions-Schiffe in Brand bringen; es ging aber nur mit einem an, welches bis ans Wasser verzehret wurde.
Den 16. Dezember wurden die vor kurzer Zeit bey einem Ausfall gefangene 1800 Mann von der Garnision über der Herren Fehr bey Schlukup oder Schluthup nach Hollstein gefangen geführet und des Nachts in den Kirchen versperret.
Den 26sten Dezember fingen die Herrn Dänen an zu schanzen, worauf tapfer gefeuert ward. Des Nachts brachten sie doch ihre Werke zu Stande. Jeder Bürger brachte indessen das Seinige an die Seite, um die Feuer-Kugeln und ander Brandzeug zu dämpfen. Von den geflüchteten Land-Leuten musste Acht aufs Feuer gegeben werden. Die Brandt-Wache ward auch in Ordnung gebracht. Ueber die Erd-Keller wurden eichene Planken und Holz, und darauf wieder (um der Bomben willen) Mist geschlagen. Den 29. Dezember um 2 Uhr schossen die Belägerer mit Bomben und Feuer-Kugeln.
Den 30sten Dezember continuirten sie damit; es war aber gute Anstalt dagegen, ausser daß 2 Scheunen in Brandt geschossen, doch ohne fernern Schaden, von dem Zimmerleuten herunter gerissen worden. Den 31. Dezember kam eine Scheune in Brandt, wurde aber gelöscht und übern Hauffen geworfen. Eine Bombe schlug in des Major Rosenackers Haus-Thüre, dem Klein-Mädgen beede Beine, und einer andern Frau, welche 2 Tage darauf starb, die Waden ab.

Anno 1712, zu Anfang des Jahrs fand sich, unvermuthet, eine Anzahl Schwedischer Kriegs- und Transport-Schiffe mit 3 bis 4000 Mann aus Schonen in dem Wismarschen Haven ein, womit die entblösset gewesene Festung  wieder völlig besetzt, und die Bürgerschaft encouragiret worden. Das Lager vor der Stadt brach auch nebst den vor Stralsund gelegenen Völkern auf, und rückte in die Winter-Quartier. Den 26. Januar ward ein Spion, ein Gewürz-Krämer von Rostock, hier zu Wismar vor dem Lübeckschen  Thor aufgehänget, und mit Ketten, um nicht weggestohlen zu werden, wohl verwahret.
Den 27. April jagten 2 Dänische Kriegs-Schiffe eine Schwedische Fregatte aus Wismar auf die Mecklenburgische Küste, diese sprang von sich selber in die Lufft.
Den 8. Mai ging der Obriste Bassewitz mit 100 Mann zu Fuß und 500 Pferden bis auf eine Meile von Rostock, begab sich aber schleunig zurücke, weil der Commandant der Stadt, Gras Sponck, eben 2 Stücke lösen und einen blinden Allarm machen lassen, zu sehen, ob die Garnison sich auch allart halten würde.
Den 30. Juni bezog der Dänische General Rautzau sein altes Retrenchement vor Wismar.
Im August that Obrister Bassewitz einen Streiff in Holstein, brandschatzte Oldeslow auf 8000 Rthlr. war aber endlich mit der Helffte, halb am Gelde und vors übrige Geissel, zufrieden, und kam glücklich in Wismar zurück. Er wagte hernach unterm Capitain Bülow den 1. September einen neuen Streiff, es ward aber die Beute bey Böcken im Lauenburgischen ihnen abgenommen, der Capitain sammt einigen Gemeinen getödtet, und 70 bis 80 gefangen genommen.
Den 11. Dezember ließ allhie der Hr. Graf Steinbock das hohe Königliche Tribunal, hohe und niedrige Officierer, den ganzen Rath und einen Theil der vornehmsten Bürger in sein Quartier kommen, dankte vor ihre Treue gegen den König, ermahnete sie darin zu continuiren, nahm von ihnen Abschied, that eindlich hinzu, daß wenn er die Erde mit seinem Blute netzen sollte, möchten sie gedenken, es wäre ein getreuer Knecht vor seinen König gefallen.

Anno 1713, den 11. Februar, fing eine Wismarsche Partey bey Boitzenburg einen Russischen Kriegs-Commissarium mit wichtigen Briefen aus Moscau, nebste einem Lieutenant, auch Sächsischen Fähnrich und Feldscher, und brachte sie ein, nachdem sie die Escorte niedergehauen hatte.

Anno 1714, den 27. Juni wurden viele Wagen mit Stiefeln, Pistolen, Carabinern etc. auch gute Pferde von benachbarten Orten eingebracht.

Anno 1715 den 27. Juni wurde diese Festung von den Dänischen und Preußischen unterm Commando des Herrn General Legards bloquiret. Die Dänische Cavallerie lag vom salzen Wasser bis an Kurau: Die Preußische Cavallerie von der anderen Seite des salzen Wassers durch Redentin bis an Lübow: Die Infanterie bey Blenhoff. General Legard hatte sein Quartier zu Mecklenburg, der Preußische General der Albe zu Blumenhoff. Auf den Galgenberg hatten die Scheweden eine Batterie. Im Oktober stiessen noch 4 Hannöverische Regimenter zu den Belagerern.

Anno 176 im Januar kamen 8 Schwedische Kriegs-Schiffe und brachten 800 Mann, Montur von 3 Regimenter, und Lebens-Mittel in die Festung. Den 17. Februar machten die Belägerte nach der Dänischen Seite eine grosse Bewegung, plünderten indessen nach der Preußischen Seite Redentien und ein Dorff aus, brachten auch Vieh und Victualien zurück, kurz hernach brachten sie wieder von eiem Edel-Hof 100 Schafe ein.
Den 19. April ging diese Festung nach einer Bloquade von 10 Monath an die Nordische Alliirte mit Accord über. Die Besatzung wurde zu Kriegs-Gefangenen gemacht, ausser 100 Mann, Unter-Officier und gemeine National-Schweden mit dazu gehörigen Ober-Officieren, als 1 General-Major, 2 Obristen, 4 Obrist-Lieutenants, 5 Majors, 27 Captains, 4 Regiments-Quartier-Meister und 46 Subalternen, die zwischen Dassow und Klütz solange Obdach geniessen solten, bis ihre Ankunfft nach Schweden vor sich gehen kunte.
Die Stadt ward mit 2 Battaillonen Dänischen, 2 Battaillonen Preußischen und so viel Hannöverschen besetzt, dann auch der Wallfisch von aller 3 Puissantzen Militz, und wurden die Russen, wider ihr Vorhaben und Willen, nicht eingelassen.
Den 26. Mai besahe Ihro Zaarische  Majestät mit dem Herzog von Schwerin in der Stille die Festung und kehrte selbigen Tages wieder nach Schwerin.
Den 8. und 9. Juni wurden die obgedachte 1000 Schweden embarquiret, und kamen etlichen Tagen in Schweden an.

Anno 1717, den 4. September, ward mit Demolierung der schönen Wismarschen Fortification der Anfang gemacht.

Anno 1718, am Heiligen-Drey-Königs-Tage, den 6. Januar, wurde der Walfisch und zwar die Quaree oder das unterste Viereck von den Dänischen, den 3. Februar aber der Thurm von den Preußischen Minirern in die Luft gesprenget, da indess mit Rasirung der Wälle an der Stadt mit grossem Eifer fortgefahren worden. Die Dänische demolirten das Oster- die Preußischen aber das Wester-Theil der Fortification.

Anno 1721 den 26. Februar, ward Wismar von dem Schwedischen General-Major Strömfeld in Poffession genommen, kam also die Stadt wieder an Ihro Königliche Majetät von Schweden.

Anno 1722 den 4. November, ward die Erbhuldigung an Ihro Königliche Majestät von Schweden, vom Ministerio, Senat und  Bürgerschafft auf dem Tribunal und Rath-Hause vollzogen. Commissarii waren der Herr Burggraf, Graf, Präsident und General-Lieutenant von Dona-Wartenberg, Herr Vice-Präsident von Teßien und Herr Accessor Oldenburg.

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Moorfunde und Pfahlbauten von Redentin

Samstag 11. April 2009 von admin

Aus:

Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde

Georg Christian Friedrich Lisch, 1873

Südwestlich bei dem Hofe Redentin bei Wismar, nahe an dem Wege von Wismar nach Redentin, dehnt sich, von geringen Höhen umgeben, eine ziemlich große Wiesenniederung aus, in welcher seit mehreren Jahren Torf gestochen wird.

Hier wurden im Sommer des Jahres 1868

5 geschliffene Keile aus Feuerstein gefunden, nämlich 3 große Arbeitskeile mit der eigenthümlichen rauchbraunen Farbe auf der Oberfläche, auch auf den Bruchflächen (im Innern hellgrau), von denen einer nur in der Beilhälfte vorhanden; ferner

1 halber kleiner Meißelkeil von derselben Farbe und

1 gleicher zerbrochener Keil von dunkelgrauer Farbe.

Herr Rentier Mann zu Wismar, dem diese Keile gebracht wurden, hat dieselben erworben und dem Vereine geschenkt.

Später ist hier noch

1 abgeschlagene Schneide von einem Keil aus dunkelgrauem Feuerstein gefunden und auch von Herrn Mann geschenkt.

Alle Keile, welche ziemlich groß sind, sind sorgfältig gearbeitet und geschliffen.

Noch später ist hier noch gefunden:

1 Keil aus Feuerstein, fertig vorbereitet, aber noch nirgends geschliffen, braun von Farbe, wie die übrigen

früher dort gefundenen Keile, nur zur oberen Hälfte 5″ lang vorhanden, in der Mitte quer und schon in alter Zeit durchbrochen, da auch die Bruchfläche eben so braun gefärbt ist, ebenfalls geschenkt von dem Herrn Rentier Mann zu Wismar.

Ferner berichteten die Torfgräber, daß sie dabei noch 5 faustgroße Steinkugeln, also Reibsteine, gefunden und noch im Besitze zu Hause hätten. Leider sind die Arbeiter nach Beendigung des Torfstiches bei Aerntearbeiten an verschiedenen entfernten Orten beschäftigt gewesen, so daß diese “Kugeln” wohl verloren gegangen sind.

Außerdem berichteten die Arbeiter, daß jetzt und früher in dem Moor viel Pfahlholz ausgegraben und schon früher oft steinerne Geräthe beim Torfgraben gefunden, jedoch verworfen seien. Hoffentlich wird das Moor in den nächsten Jahren bei genauerer Aufmerksamkeit mehr liefern.

In Veranlassung dieser Entdeckungen fuhr ich am 27. Julii 1868 mit dem Herrn Mann nach Redentin, um die Lage des Moores in Augenschein zu nehmen. Wir gelangten gleichmäßig zu der Ansicht, daß die Lage und Größe des Moores, eines frühern Gewässers, zur Anlegung von Pfahlbauten besonders geeignet sei und sich daher in der Zukunft noch wissenschaftlicher Gewinn aus demselben erwarten lasse.

Diese Hoffnung hat sich im Sommer 1869 beim Torfstechen nicht erfüllt. Der Torfstich ward in diesem Jahre sehr früh beendet und das Moor war schon in der Mitte Julii von den Arbeitern verlassen. Alle eingezogenen Nachrichten schweigen aber gänzlich von Auffindung neuer Alterthümer.

Herr Mann besuchte im Julii 1869 auch das 3/4 Stunden vom Hofe entfernte, ungefähr 20,000 Quadratruthen große Torfmoor des Dorfes Redentin, wo noch 4 Arbeiter mit Torfgraben beschäftigt waren. Auch diese, welche mit den Arbeitern des Moores von Hof Redentin in Verkehr stehen, hatten nicht gehört, daß in diesem Jahre Alterthümer ausgegraben seien. Ueber das Dorf=Redentiner Moor berichteten aber die Arbeiter, daß auch dieses Moor in früheren Jahren eine gute Fundgrube für Alterthümer gewesen, später aber aller brauchbarer Torf daraus entnommen und dasselbe in den letzten Jahren ohne Alterthümer geblieben sei, um so mehr, da der dort jetzt noch verarbeitete Torf nur auf Stellen gewonnen werde, welche früher schon durchgearbeitet worden seien.

Aus diesem Moor stammt aus frühern Zeiten sicher ein schönes, vollkommen neu erhaltenes Bronzeschwert (Jahrb. XX, S. 286), und wahrscheinlich ein zweites Schwert und mehrere Armschienen und Armringe von Bronze (Jahrb. XVI. S. 273 flgd.), vielleicht auch zwei Frameen von Bronze (Jahrb. XVIII, S. 253 flgd.).

Endlich ist noch ein mittelalterlicher Schwertknopf aus Eisen mit Bronzeniet, 25 Loth schwer, in diesem Moor gefunden und dem Vereine von Herrn Mann geschenkt.

 

In dem Moor bei dem Hofe Redentin in der Nähe von Wismar ist im Sommer 1869 nichts gefunden.

Dagegen sind im Sommer 1869 in dem (von dem Müller zum Torfstechen benutzten) sogenannten “Müller=Moor” auf dem Felde von Redentin einige Sachen gefunden, welche für die Zukunft vielleicht von Wichtigkeit werden können, und im Herbste 1869 nachträglich an Herrn Mann zu Wismar zum Geschenke überliefert. Diese Sachen sind folgende:

1) ein roh zubehauener, jedoch schon in den Linien zur beabsichtigten Gestalt regelmäßig zugerichteter, noch nirgends geschliffener, starker Keil aus grauem Feuerstein, 7 1/2 Zoll lang;

2) die abgeschlagene Beilschneide eines ähnlichen und wohl gleich großen Keils von Feuerstein, 2 1/2 Zoll lang, sauber geschliffen, von rauchbrauner Farbe, auch auf den Bruchflächen, im Innern hellgrau. Dieser Keil ist an Größe, Bearbeitungsweise und Farbe genau den übrigen, oben aufgeführten rauchbraunen Keilen gleich, welche in den andern Redentiner Mooren gefunden sind.

Nach den Berichten der Torfarbeiter sind außerdem in diesem Moor sehr viele zerschlagene Thierknochen gefunden, welche aber alle von ihnen verworfen oder als alte Knochen verkauft sind.

Nur zwei Knochen, braun gefärbt, sind von den Arbeitern aufbewahrt und dem Herrn Mann übergeben, weil sie dieselben als Menschenknochen erkannt haben. Diese beiden Knochen sind sehr merkwürdig.

Der erste ist ein Unterkiefer, klein und schmächtig, wahrscheinlich von einer alten Person; zwei noch vorhandene

Zähne sind fast ganz abgeschliffen; die Backenzähne der rechten Seite fehlen alle und die Zahnhöhlen sind zugewachsen.

Der zweite Knochen ist die obere Hälfte eines Schenkelknochens (femur), welcher in der Mitte schräge durchgebrochen ist. Der Knochen ist von gewöhnlicher Länge und Stärke und mag zu dem Gerippe gehört haben, von welchem der Unterkiefer stammt. Der Schenkelkopf ist zwar morsch, aber noch ziemlich vollständig. Der große Höcker (trochanter major) fehlt aber; derselbe kann ursprünglich, aber auch erst beim Aufgraben abgebrochen sein.

Merkwürdig ist der 4 1/2 Zoll lange, schräge Bruch des Knochens in der Mitte des Schenkels. Die Bruchfläche des Knochens hat nämlich dieselbe braune Farbe, wie die Oberfläche des ganzen Knochens. Der Knochen muß also ursprünglich, vor uralter Zeit, zerbrochen ins Wasser gefallen und der Torf darüber gewachsen sein. Es in nun die große, nicht unwichtige Frage, auf welche Weise der Knochen zerbrochen sein kann.

Es ist nämlich bei Untersuchung dieses Schenkelknochens wohl hin und wieder die Ansicht ausgesprochen, daß dieser Schenkelknochen nicht ein Bruch am lebenden Menschen, sondern daß der Knochen vom todten Menschen “zerschlagen”, und also diese Zerschlagung ein Zeugniß für “Menschenfresserei” zur Steinzeit sei. Um diese allerdings wichtige Streitfrage zu entscheiden, sandte ich die beiden Knochen zur Untersuchung an den gewiß stimmfähigen Herrn Professor Dr. Virchow zu Berlin, welcher die große Güte gehabt hat, das folgende eingehende und ausführliche Erachten darüber abzustatten.

Moor=Knochen von Redentin.
A. Der zerbrochene menschliche Oberschenkel.

“I. Das Oberschenkelstück entspricht dem obern Drittheil des linken Os femoris eines Menschen. Nach der Dicke und Festigkeit der Rindenschicht und der Größe des Halses (Collum femoris) zu urtheilen, muß es ein kräftiges und gut genährtes Individuum gewesen sein, und es liegt kein Grund vor, irgend eine besondere Brüchigkeit (Fragilitas, Osteopsathyrosis) oder sonstige Prädisposition zu Knochenbruch daran anzunehmen. Auch findet sich nichts von jener Osteomalacia senilis, welche sonst gerade an diesem Knochen so häufig das höhere Lebensalter charakterisirt.”

Der Bruch selbst ist alt und allem Anschein nach von nicht minderem Alter, als die Versenkung des Knochens in den Torf. Seine Oberflächen zeigen dieselbe eisenschüssige Färbung, wie der übrige Knochen, und einzelne Theile derselben waren noch zu der Zeit, als der Knochen in meine Hände kam, mit demselben Filz von Pflanzenwurzeln überzogen, wie sie die Markhöhle ausfüllte. (Ein solcher von mir losgelöster Cylinder aus der Markhöhle steckt noch in derselben.) Nach Abtrennung dieses Wurzel=Ueberzuges sind die Kanten überall so scharf, daß sie einer Verwitterung an der Luft vor der Einsenkung in das Moor nicht unterlegen haben können.

Der Sitz des Bruches in der Diaphyse des Knochens, und zwar über der Mitte desselben, entspricht keineswegs dem gewöhnlichen Orte des Schenkelbruches bei alten Leuten. Dies ist vielmehr der Schenkelhals. Dagegen findet sich diese Art des Schiefbruches in dem oberen Drittheil des Knochens auch bei gewöhnlichen Brüchen jüngerer Personen am häufigsten. Es würde von diesem Gesichtspunkte aus nichts dagegen zu sagen sein, daß der Bruch am lebenden Menschen eingetreten sei.

Dagegen findet sich ein Umstand, der diesen Bruch von allen gewöhnlichen Brüchen unterscheidet. Im oberen Theil der Bruchfläche, welche gegen den innern Rand des Knochens in einer Länge von 3 Centim. sehr flach durch die compacte Rindensubstanz verläuft, war das Wurzelwerk sehr fest angelegt. Als ich dasselbe mit großer Vorsicht ablöste, ergab sich darunter eine längliche, klaffende Spalte von 2 Centim. Ausdehnung, welche, fast parallel mit der Längsaxe des Knochens gelegen, bis in die Markhöhle eindrang. Von der durch den Bruch selbst eröffneten Markhöhle ist sie durch ein Knochenstück von compacter Substanz von 4 Millim. Länge getrennt. Ihre Ränder sind ganz scharf. Insbesondere der obere und untere Winkel sind wie geschnitten. Die vollständige Perforation der Markhöhle ist nur in einer Längsausdehnung von 5 Millim. erfolgt, und zwar an einer Stelle, welche dem untern Winkel näher liegt. In der Mitte der Spalte klafft derselbe nach außen so stark, daß der hintere Rand von dem vorderen 6-7 Millim. entfernt ist. Es kann daher kein Zweifel sein, daß dieser Spalt durch das gewaltsame Eindringen eines spitzigen, keilförmigen Körpers erfolgt ist. Als einen solchen kann man sich nur eine Pfeil= oder Lanzenspitze oder ein ähnliches Werkzeug denken. Denn das obere oder

untere spitzige Ende einer Axt= oder Beilfläche (Schneide) würde offenbar eine längere Verwundung, die bis in die Oberfläche des Knochens fortgesetzt sein müßte, hervorgebracht haben.

Ob der verwundende Körper von Metall oder Stein war, dafür sehe ich kein bestimmtes Anzeichen. Dagegen ergiebt die Richtung der Spalte, welche von innen, also von der rechten Seite her nach außen, und ein wenig schief von oben und hinten nach unten und vorne geht, daß für die Verletzung am Lebenden ein Pfeilschuß oder ein Lanzenstoß eine natürlichere Erklärung giebt, als ein Hieb mit einer Axt.

Es fragt sich jedoch, ob die Gewalt am Lebenden eingewirkt habe, oder ob der Knochen erst nach dem Tode aufgeschlagen ist. Meiner Meinung nach kann kein Zweifel darüber sein, daß die Gewalt während des Lebens eingewirkt hat. Wäre nach dem Tode der Knochen durch ein meißelartiges Werkzeug aufgeschlagen worden, so müßte die Richtung des Bruches mit der Richtung der einwirkenden Gewalt übereinstimmen, mit andern Worten, es müßte der Knochen in der Richtung von innen nach außen zerklüftet sein. Statt dessen liegt die Richtung der Bruchfläche fast unter einem rechten Winkel gegen die Richtung der Spalte. Dieser ist möglich, wenn durch eine große Gewalt, wie sie am besten ein Lanzenstoß versinnlicht, außer der schneidenden Wirkung der Spitze zugleich ein kräftiger Stoß gegen die Diaphyse des Knochens eingewirkt hat.

Ich bemerke ausdrücklich, daß sowohl die von heutigen Lappen bearbeiteten Thierknochen, als auch die Knochen aus den Kjökkenmöddings im zoologischen Museum zu Kopenhagen die Zerklüftung der Knochen stets in derselben Richtung mit der Längsausdehnung des spaltenden Körpers zeigen. Ueberdies ist kein Knochen, der zum Herausnehmen des Markes zerschlagen wurde, gebrochen, sondern er ist gespalten.

Meine Meinung geht also dahin:

1) Der fragliche Oberschenkel ist nicht zum Zwecke anthropophagischer Genüsse gespalten;

2) er ist wahrscheinlich durch einen und denselben Act verwundet und gebrochen;

3) die gewaltsame Einwirkung ist sehr wahrscheinlich durch einen Lanzenstoß erfolgt.

Unzweifelhaft muß der Tod des Individuums alsbald nach der Verletzung eingetreten sein, denn es fehlt jede

Spur weiterer (reactiver) Veränderungen im Umfange der Verletzung.

Außer den angeführten Abweichungen giebt es noch eine andere Reihe von Verletzungen: fast der ganze Trochanter major und minor mit der zwischenliegenden Strecke, ein großer Theil des Randes des Schenkelkopfes und derjenige Theil des Halses, welcher zwischen dem Trochanter major und dem Kopfe liegt, ist bis auf verschiedene Tiefen defect, indem die Rindenschicht und ein Theil des schwammigen Gewebes ausgebrochen ist. Obwohl hier auf den ersten Blick die Möglichkeit einer Abnagung (im strengen Sinne des Wortes) vorzuliegen scheint, so muß dieselbe doch zurückgewiesen werden. Nirgends zeigen sich die Spuren von wirklichem Nagen; Eindrücke von Zähnen, wie sie sowohl beim Benagen durch Thiere, wie bei dem durch Menschen im Umfange der abgefressenen Theile stets zu sehen sind, fehlen vollständig. Es geht vielmehr durch den Hals des Schenkels und den Trochanter ein unregelmäßiger Spalt von großer Ausdehnung, der jedoch fast gar nicht klafft und daher schwer sichtbar ist. Dieser Spalt beweist, daß auch hier eine äußere Gewalt eingewirkt hat. Ob diese jedoch schon während des Lebens einwirkte, ist höchst zweifelhaft. Es ist sehr wohl möglich, daß sie erst bei dem Ausgraben des Knochens aus dem Moor eintrat; der Umstand, daß die verletzte Fläche nirgends frische Bruchflächen erkennen läßt und eine braunschwärzliche Farbe zeigt, beweiset nicht dagegen, da in diesem schwammigen Theile wahrscheinlich der Knochen in seiner ganzen Dicke von der moorigen Flüssigkeit durchtränkt worden ist. Auch darf wohl erwähnt werden, daß am Trochanter minor, wo die spongiöse Substanz fester ist, die zu Tage liegenden Theile der Knochenbalken eine mehr weißgraue Farbe zeigen, die sehr verschieden ist von der Substanz, welche direct mit dem Torfe in Berührung waren.

II. Obwohl der Oberschenkel einer kräftigen und großen Person angehört haben muß, so findet sich doch daran eine Eigenthümlichkeit von großer Wichtigkeit. Während sonst der Knochen in seiner Diaphyse eine fast drehrunde Gestalt hat, so zeigt sich hier sofort unterhalb des Trochanter major eine Abplattung desselben in der Richtung von vorne nach hinten, in der Art, daß ein Querschnitt unter dem Trochanter minor fast die Gestalt einer Säbelscheide haben würde. Insbesondere zieht sich vom Collum femoris her genau an der innern Seite eine

fast scharfe Kante bis zu der Bruchfläche herunter, gleichwie an der äußern Seite vom Trochanter major her eine andere, wenngleich mehr abgerundete Kante verläuft. Die vordere Fläche ist fast ganz eben.

Dieses sehr ungewöhnliche Verhältniß erinnert an ähnliche Beobachtungen, wie sie namentlich durch Herrn Broca an prähistorischen Funden aus Frankreich, zuletzt bei denen aus den Höhlen von Des Eyzies, freilich mehr an der Tibia, jedoch auch am Femur gemacht worden sind. Obwohl gegenwärtig die ethnographische Bedeutung dieser Erscheinung noch nicht hat festgestellt werden können, so ist sie doch in hohem Grade bemerkenswerth.

B. Der menschliche Unterkiefer.Ob der gefundene Unterkiefer derselben Person angehört hat, ist nicht sicher auszumachen. Seine ungleich zartere Beschaffenheit scheint eher dagegen zu sprechen. Auch sind die zwei Zähne so tief, fast bis auf die Wurzel abgenutzt, daß daraus ein höheres Alter des Individuums zu folgen scheint, als die Beschaffenheit des Schenkelknochens andeutet. Freilich sind beiderseits die Höhlen des Weisheitszahnes noch offen und nur die Alveolen des 2.-4.Backenzahnes rechts ganz obliterirt, so daß es scheint, als sei die Abnutzung verhältnißmäßig früh eingetreten. Höchst auffällig ist dabei die geringe Größe der Alveolen der Schneidezähne, welche zusammen genommen nur 1,5 Ctm. Längenausdehnung einnehmen. Die Folge davon ist eine sehr geringe Entwickelung des mittlern Theiles des Unterkiefers und ein starkes Vorspringen des zugespitzten Kinnes, sowie eine fast winkelige Stellung der beiden Kieferhälften zu einander. Der ganze Kiefer ist etwas zart, in der Mitte nur 2,2 Centim. hoch; der untere Umfang von einem Winkel zum andern beträgt 17,3 Centim., der Abstand der Winkel von einander 9,5 Centim. Die Gelenkfortsätze sind leider an ihrem oberen Ende verletzt, mögen aber vom Winkel an etwa 5 Centim. hoch gewesen sein. Die obere Incisur, zwischen Gelenk= und Kronenfortsatz, ist flach ausgerundet, und der ganze aufsteigende Ast, wenngleich dünne, doch verhältnißmäßig breit, er mißt in der Mitte 2,7 Centim. in der Breite. Der Kiefer ist demnach positiv orthognath. Er hat eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Unterkiefer der heutigen Lappen, von denen er sich jedoch durch die Bildung des Mittelstückes unterscheidet.”

R. Virchow. 

 

Im Sommer 1872 sind in dem Hofmoor zu Redentin doch noch einige Alterthümer gefunden und von dem Herrn Mann erworben und von demselben dem Vereine geschenkt. Diese Alterthümer sind:

3 große geschliffene Arbeitskeile aus dunkelgrauem und gelblichgrauem Feuerstein;

2 Beilschneiden von 2 zerbrochenen, großen, geschliffenen Keilen aus rauchbraunem Feuerstein.

 

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