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Teil 3

Sonntag 5. April 2009 von admin

DRITTE HANDLUNG. Die Vorhölle.

Erster Auftritt. Die Erwartung der Altväter.

V. 259—370.

Abel.
Ich frage euch allzumal,
die da sitzen in dieser Qual,
was wol diese grosze Klarheit bedeute,
die wir haben gesehen heute?
Was uns Gott in diesz elende Land
wol für ein groszes Licht gesandt?

Das ist ein wunniglicher Schein!
Ich bin Abel, den sein Bruder Kain
mordete ohne Schuld:
die Marter erlitt ich mit Geduld.
Ich hoffe, des soll nun ein Ende sein, 
das bezeuget dieser Schein.

Adam.
Freuet euch zu dieser Stund,
die da sitzen in diesem düstern Grund,
die Pein die dauert nun länger nicht!
Das ist des ewigen Vaters Licht,
das von ihm sollte kommen
uns zu allem Frommen.
Der Vater, ewig wunderbar, 
der schuf mich Adam wunnigklar:
das hab ich im Paradiese verloren,
nun hoff ich, dasz der sei geboren,
der uns ganz gewis
wieder geben will das Paradies.

Jesajas.

Ich bin Jesajas, aus der Profeten Zal,
ihr sollet das wiszen allzumal,
dasz diesz sei des göttlichen Vaters Schein,
davon sprechen die Bücher mein.
Ich sprach: „Populus gentium, qui ambulabat in tenebris, 
vidit lucem magnam, habitantibus in regione
mortis lux orsa est eis.”

Das Volk der Heiden wanderte in der Düsternis,
da sahs einen groszen Schein gewis;
die da wanderten in dem Lande der Todesschatten,
einen Glanz nun schauen die Matten.
Das ist dieser, drauf schwöre ich wol,
der uns nun bald erlösen soll.

Simeon.
Ich bin Simeon, sehr alt:
nun freuet euch alle bald!
Glaubet alle diesem Herren,
den ich im Tempel mit groszen Ehren 
 in meine Arme als Kindelein nahm,
da er nach seiner Müdigkeit zu mir kam.
Ich ward erfreuet so sehr
und sprach in dem Geiste: ,,Freundlicher Herr,
entlasz mich in Deines Friedens Geleit,
dasz ich von dieser Welt abscheid!
Meine Augen haben beschauet Dein Heil.
Gott-Mensch, gib mir an Dir mein Teil!”
Das Heil ist aller Leute:
Er will kommen heute
und lösen sein Volk, sein Israel:
Er ist der rechte Jmmanuel!

Er singt „lumen ad revelationem etc.”  Darnach spricht er:

Wer ist dieser fremde Mann,
der diesz rauhe Kleid hat an?
Er ist noch nicht lang von der Welt gekommen:
sag uns , was hast du vom Heiland vernommen ?

Joliannes der Täufer.
Warlich, ja ich bin ein Täufer
und bin ein Vorläufer
von Jesu Christo, dem ewigen Gotte,
ich bin ein Prediger und sein Bote.
Ich hab ihm den Weg an dem wüsten Ort
bereitet mit dem gepredigten Wort.
Ich hab ihn getauft in des Jordans Flut:
denn also hatte Er’s Selber geruht,
dasz er alles Gesetz erfüllen wollte:
also ich ihn auch taufen sollte.
Ich zeigte auf Ihn mit der rechten Hand
und sprach „Seht diesz ist der Heiland;
Diesz ist das wahre Gottes-Lamm
das herab von dem Himmel kam:
Er ists, der der Erde Sünde trägt,
Er ist mein Herre und ich bin sein Knecht .”

Nun bin ich zu euch gekommen,
das möge euch allen frommen!
Glaubts beim lebendgen Gotte,
ich bin sein wahrer Bote;
Er ist hier nahe bei,
der euch und mich will machen frei.
Er singt ,,Ecce agnus dei.”

Seth.
Mein Vater Adam lag in groszer Krankheit
und in des Todes Arbeit.
Er sprach: Sohn, nun höre mich,
eines Dinges bitte ich dich:
geh zum Paradiese leise
und sprich in dieser Weise:
,,Gott Vater gewaltig,
Adam, mein Vater bittet Dich,
dasz du ihm wollest geben
von deinem Oel der Barmherzigkeit, dasz er möge leben “.

Das tat ich nach meines Vaters Gebot.
Da sprach der Engel von Gott,
das war der Engel Michael,
er sprach : „Seth, lasz dein Wähnen schnell,
das Oel kann dir nicht werden,
pflanz man diesz Reis in die Erden:
wenn fünf tausend Jahre umkommen
und sechs hundert, da mags deinem Vater frommen
und seinem ganzen Geschlecht.
Hab ich das vernommen recht,
so ist die Zeit nun all vollbracht;
Gott hat unser wol gedacht:
er will uns lösen mit diesem Schein
von der Finsternisse Pein.

 
Jessajas
Warhaftig, ist das also,
des wollen wir werden alle froh.
Ich habe geprofezeit auf der Erden,
von einer Jungfrau soll ein Kind geboren werden,
er wird genennet Wunderlich,
Rat, Kraft, Held, Gott sterblich,
ein Fürste in allem Frieden:
auf ewig ists Reich ihm beschieden
Des wollen wir uns alle freuen nun:
wir sollen ewiglich mit ihm ruhn.

Zweiter Auftritt. Die Befürchtung der Teufel.

V. 371—484.

Lucifer.
Wol her, wol her, wol, wol her,
alles teuflische Heer!
Wol her aus der Hölle,
Satanas, lieber Geselle!

Satanas.
Lucifer, hier bin ich und meine Gesellen,
die da liegen in der Höllen.

Lueifcr.
Satan, wonach tust du schleichen,
dasz ich dich binnen drei Tagen nicht konnte erreichen ?
Weiszt du jene neue Märe?

Satanas.
Aha, Lucifer, lieber Herre!
Ich war mitten unter der Juden Schar:
da hab ich uns fürwahr
erworben einen Schatz von Wert.

Lacifer.
Lieber Kumpan, was hab ich gehört?

Satanas.
Lucifer und das ganze Geschlecht der Teufel,
ihr mögt euch freuen ohne Zweifel:
Jesus, den Profeten, grosz und hehr,
der da sprach, dasz Gott er wär,
den wollen wir bald hier empfangen:
Er ist all ein Kreuze gehangen,
er ist in groszer Not
und furchtet sehr den Tot;
er sprach: „tristis et anima mea usque ad mortem!”
Hölle, nun mach bereit deine Pforten!
Wie möchte er Gottes Sohn wol sein,
da er fürchtet des Todes Pein?

Lncifer.
Gott der kann versterben nicht,
o Satan, böser Wicht!
Er kann nicht versterben:
er will uns die Hölle verderben;
er will dich ganz betrügen,
er will dich gänzlich besiegen.
Ich habe Zeichen von ihm vernommen,
die von keinem puren Menschen kommen.
Satana, du betrügest dich.

Satanas.
Herre Meister, verlasz dich auf mich!
Ich bin gar nicht ferne gewesen,
als er sein Testament hat gelesen.
Er trank Eszich und Gallen;
er musz uns als Teil verfallen.
Ich richtete den Speer in sein Herz:
da litt er des Todes Schmerz.
Herre, bei meiner Nase krumm,
ich gehe nicht um die Warheit herum.
Ich war da auch nahe scharf,
da ich dir eine Seele vorwarf:
ich bracht dir Einen, der heiszt Judas,
der seiner Jünger einer was:
denselben half ich hängen
feste mit den Strängen.
Da hört ich von Jesu groszen Sturm,
er wandt sich recht als ein Wurm:
darnach muste er sterben,
unsre Hölle soll er erben.

Lncifer.  
Satan, hat er den Geist aufgegeben,
wo blieb denn seiner Seele Leben?

Satanas.
Herre Lucifer, gerannt und gelaufen ich hab,
da riefst du zu deinem Unheil mich ab.
Damit hab ich sie alle verloren.

Lncifer.
Satan, er ist uns zum Uebel geboren!
Belüge mich nicht ohne Not: -
Ist Er es, der Lazarum weckte vom Tot?

Satanas.
Ja Lucifer, das ist derselbe Mann.

Lueifer.
To jodute, Satan !
So bitt ich dich bei der höllischen Kraft,
bring Jesu Seel nicht zu unserer Haft!
Lazarus war uns in die Hölle gegeben,
bis dasz Jesus gekommen eben
und wollte ihn vom Tode aufwecken:
Lazarus begann sofort sich zu strecken
von den Banden der Hölle
und fuhr von dannen schnelle,
schneller als Adler fort.
weh, kommt er zu diesem Ort,
er tut uns unverwindlichen Schaden.

Satanas.
Wir müszen da anders zu raten :
wir wollen mit dem ganzen Chore
wol bewaren unsere Thore.

Noytop.
Lucifer, mich wundert, was das bedeute :
die Seelen vieler Leute
sind in groszem Schalle,
sie singen und freuen sich alle;
überlaut sie alle schrein,
dasz sie nicht länger solln hier sein,
sie haben gesehen einen Glanz,
und machen einen geistlichen Tanz.
Ists nicht nötig, dasz wir besehn,
was da Neues mag geschehn ?

Puk. 
Lucifer, wie lange soll das währen?
Wollen wir nicht zur Hölle uns kehren?
Unsre Gäste sind zusammen geladen.
ich rieche was sie braten:
da ist Adam,
Isaac und Abraham,
Jacob und Noah mit der Archen,
Moses und alle die Patriarchen,
Jesajas und Asarias,
David und Ananias
und der Profeten Verein,
ich weisz, warum sie schrein,
und Herr Simeon, der Alte:
sie schrein wie die Vögel im grünen Walde.
Da ist ein Mann mit einem rauhen Kleide,
der hat uns viel getan zu leide,
Johannes er hiesz,
dem Herodes das Haupt abschlagen liesz.
Er ist gekommen von der Erden,
sagt, dasz sie alle sollen erlöset werden.
Sie sitzen in Freude und tiefem Bedacht,
ach und ach! was mag werden vollbracht?
Wär Jesus etwa gekommen?
Ihr Herren, es wird uns frommen,
wir wollen fliehen schnelle!

Chor.
Und schlieszen zu die Hölle!

 

Dritter Auftritt. Ankunft Jesu bei der Vorhölle.

V. 485—578.
Jesus naht zu der Hölle. Als David ihn kommen sieht spricht er :

Nun kommt der Herre lobesam,
der sprach ,,portas aereas confringam”
in derselben Schrift,
die ihn nennt der Hölle Gift,
der soll diese Thore ehern
ganz und gar zerstören.
Auch sprach ich also :
,,Exsurgam mane diluculo,
ich will des Morgens früh erstehn.”

Gottes Sohn, lasz dich nun sehn,

löse nun die Deinen,
denn sie sind in Feinen.
Er singt „0 clavis David”.

Adam.
Ihr sollt euch freuen all ihr Stillen,
die gelebt haben nach Gottes Willen!
Ich seh die Hand, die mich erschaffen hat 
aus nichts ohne Jemandes Rat,
die uns will erlösen zu dieser Stunde
aus dieser bittern Höllen Grunde.
Darum wollen wir laut nun singen,
ein Willkommen/ dem ewigen Könige bringen.
Die Seelen singen „Advenisti”

Eva.

Sei willkommen du, der die Betrübten tröst’!
Ich hoffe, wir sollen nun werden erlöst.
Dein haben geharret wir manches Jahr
in Finsternis mit Sorgen und mit Gefahr;
nun hast unsern Jammer du angesehn
und willst uns zur Seligkeit laszen gehn.
Nun kömmt Jesus zu der Höllen. Die Engel schreiten voran.

Gabriel.
Ihr Fürsten der Finsternis, tut auf diese Thor,
der König der Ehren der ist hier vor!
Die Teufel singen ,,Quis est iste?”  (Wer ist der König der Ehren ?)

Lueifer.

Wer ist der gewaltige Held,
der gefaren kommt von der Welt,
als ob er sie genommen zu eigen sich?
Er sollt doch warhaftig verschonen mich,
dasz er also stürmet vor meiner Feste
und läszt mich nicht ruhen in meinem Neste.

Rafael, der dritte Engel.
Bas ist des lebendigen Gottes Kind,
er will lösen die Seelen, die hier innen sind,
und will sie bringen in seines Vaters Reich,
da sie sollen sein den Engeln gleich,
er bringet sie aus eueren Banden
hin, wo ihre Freude wird nimmer zu Schanden.

Die Engel siogen wieder ,,Tollite portas principes” (Machet die
Thore weit u. s. w.) Die Teufel „Quis est ist?” etc.

Lucifer.

Ihr Männer, laszt euer Stürmen sein:
die Seelen hier innen sind alle mein;
Ich fürchte, werdet herein ihr kommen,
dasz wir des haben keinen Frommen.
Ihr sollt euch alle da drauszen umtreiben
und uns hier laszen in Ruhe bleiben.
Die Engel singen zum drittenmal „Tollite portas, principes!”

Gabriel, der andere Engel
Öffnest du nicht sogleich die Thür, —
du bist verraten, das sage ich dir;
du wirst zu dieser Stunden
hierinnen fest gebunden
mit Banden, die binden auf ewig gleich,
so lange als Gott hat sein Reich.
Die Teufel singen „Quis est iste?”

Lucifer.
Nun seht, ists nicht eine seltsame Sache,
dasz wir nicht bleiben mit Fried und Gemache ?
Wir haben gewohnt hier länger als fünftausend Jahr
und würden solch Ungemach nicht gewahr,
dasz man uns mit Gewalt will vertreiben;
noch wollen wir alle hierinnen bleiben
so lang unsre Feste steht hoch und weit,
das sei euch allen lieb oder leid. —
Wer mag dieser König der Ehren wol sein?

David. 
Das  liest man ja in dem Psalter mein:
der Starke ists, der Hehre,
mächtig zum Streit und zu aller Ehre,
Er ists, der alle Ding hat geschaffen.

Lucifer.
To Jodide,  so sind verloren all unsre Waflfen
und alle unsere Wehr,
kommt der gewaltige König daher.

Jesus.
Ich bitte dich, Wächter an dieser Hölle,
dasz du öffnest sie gar schnelle:
Der erste Scherge zu Christus.
Gib her, zieh ab den bunten Rock,
darzu das Unterkleid,
du hasts gemacht ja viel zu grob,
es sei dir lieb oder leid.

Der zweite Scherge.
Wolan das Hembde musz herab,
es kommt für unsere Beut,
ei, ei du armer kahler Tropp,
es sei dir lieb oder leid.

Ich will brechen der Hölle Thor
und holen die Meinen hervor.

Jesus singt: Ego sum alpha et o etc.

Ich bin das A und das O0,
Alle sollen es wiszen so,
die drinnen sind in dieser Feste;
ich bin der Erste, der Letzte und Beste,
der Schlüszel Davids ich bin:
die Meinen nehm ich mit mir hin.

Satanas.
Wer ist dieser Mann mit dem roten Kleide,
der uns tut so viel zu leide?
Das ist unhöflich ja getan,
dasz er uns also rennt an!

Jesus.

Schweig, Satanas, bange,
schweig, du verdammte Schlange !
Springet auf ihr höllischen Thor!
Die Seelen sollen alle hervor,
die darinnen sind gefangen.
Ich hab an dem Galgen gehangen,
um die Meinen hab ich gestritten,
grosze Pein hab ich erlitten, 
an meinem Leibe fünf Wunden: 

damit soll Lucifer werden gebunden —
bis da kommt der jüngste Tag.

Chor.
Das ist ihm ewige Pein und ein harter Schlag.

Jesus zerbricht mit Gewalt die Thore der Hölle. 

Jesus.
Weicht und eilt von der Stelle,
alle die ihr der Hölle Geselle.

Er greift Lucifer wid bindet ihn mit Ketten.

Lucifer, du böser Gast,
du sollst bleiben in dieser Ketten Last,
sollst keinen Geist mehr quälen hier,
meine Lieben sollen wol gedeihen vor dir.

Der Chor singt „Sanctorum populus”.
Die Seelen singen „Advenisti”.
Jesus singt „ Venite benedicti”Kommet her meine Gebenedeiten,
ich will euch nach Pein nun Freude bereiten,
ich will euch führen in meines Vaters Reich,
da ihr sollet den Engeln gleich
besitzen die lautere Klarheit,
die sonder Ende ist euch bereit.

 

Er nimmt Adam bei der rechten Hand.

Adam, reich mir her dein rechte Hand:
Heil und Leben sei dir bekannt!
Ich vergebe dir
was du hast verbrochen an mir.

Adam.
Lob sei dir und Ehre,
aller Welt ein Herre!
Ich und all mein Geschlecht
war verdammet mit Recht:
nun willst du nach deiner Barmherzigkeit 
uns lösen von diesem Jammer und Leid.
Eva, Eva!
Selig Weib, nun zu mir nah !

Er singt „Te nostra suspiria.”

Jesus.
Du wärst an deinen Sünden gestorben:
nun habe ich dich mit meinem Tode wieder erworben :
und will dich bringen an meines Vaters Thron !

Eva.
O Herre Jesu, Gottes Sohn,
ich habe gesündigt wider dich,
da ich liesz betrügen mich,
dasz ich in deinem Gebot nicht bestand:
drum must ich bauen der Hölle Land
in Düsternis mit Sorg und Gefar
wol fünftausend Jahr:
nun bin ich erlöset offenbar!

Jesus zu Adam und Eva.
Folget mir mit der ganzen Schar!
Von denen mein Wille ist geschehn,
die sollen alle mit mir gehn.

Wie sie aus der Hölle ziehn wollen, greift der Teufel Tuteville 
nach dem Täufer Johannes und spricht:

Höret, ihr Mann mit dem rauhen Felle,
ihr bleibet bei uns in der Hölle !
Diese Kamelshaut, — schweig still ! —
die ist uns gut wenns regnen will.
Weist du nicht, dasz ich Tutevukke heisz?
Du sollst tun nach meinem Geheisz.
Du bist ja der letzte, der beste,
du must bleiben in dem Neste.

Johannes der Täufer.
Laszt mich ungeschoren,
ich hin auch erkoren:
von Jesu ist für mich Pfandquittung geschehn,
ich darf nicht länger als Geisel stehn.
Gehst du nicht gleich fort von mir,
versetz ich ein Schlag in die Weichen dir.

Satanas greift nach dem Täufer, indem er spricht: 
Höret mein lieber Mann, Herr Baptist!
Ihr versteht viel arge List:
wollt ihr so von dannen rennen?
So wahr ich lebe, ihr müst mit mir in der Hölle brennen!
Wollt ihr mir denn doch entfaren,
ich halte euch feste bei den Haren.

Der Täufer.
Satan, lasz mich gehn meine Wege
und keine Gemeinschaft mit mir pflege!
Hinab mit dir zum Grunde der Höllen!
da sollst du dich ewiglich quälen — :
ich soll mich nun zur Freude kehren
mit Jesu, meinem lieben Herren;
tust du das nicht unverwandt,
gröszerer Schade wird dir bekannt!

Er löst sich von den Teufeln und geht zu den Andern.

Puk.
Herre Meister Lucifer,
ihr seid recht ein Betrogener!
Ihr steht als ein unnützer Gauch,
man mag euch bei den Füszen hängen in den Rauch.
Geht zu den beschorenen Schafen und Böcken
und lernet von neuem Milch lecken!
Was für ‘ne Sucht euch doch anficht,
dasz ihr könnt Frieden finden nicht?
Ich habe wol oft gehört und ist auch rechte
der Ellerherr bezwingt den eichenen Knecht,

Lneifer.
Wehe mir nun und immermehr!
Welch ein Gewaltger ist dieser Herr!
Er nimmt uns was manch Jahr in Haufen wir an uns gezogen.
Ward jemand je also betrogen?
Wie heimlich hat er das zu Wege gebracht!
Wir sölltens fürwahr schon früher haben bedacht,
da eine reine Jungfrau ihn gebar,
was in der Welt noch niemals geschehen war.
Nun laszt es nur, meine Kumpane, geschehn:
wir wollen uns künftig beszer vorsehn!
Diese Schar war mit Unrecht gewonnen:
also ist sie uns wieder entronnen.

Fünfter Auftritt. Das Paradies.

V. 667—748.

Jesus.
Dir Michael, dem Engel klar,
Überantwort ich Adam und seine Schar
all zusammen gewis,
die sollst du bringen ins Paradies;
da sollen sie meiner wartend sein
und leiden keine Art von Pein.

Michael.
Wahrer Gottes Sohn, das soll werden
was du willst im Himmel und auf Erden;
ich will sie bringen in des Paradieses Frieden,
den du ihnen auf ewig beschieden.

Er führt die Seelen zu dem Paradiese fort, die da singen:
„Magna consolatio”. Ihnen entgegen kommt Elias und Henoch
(und der begnadigte Schächer); zu ihnen spricht:

Simeon.
Wer sind diese Zwen?
Saget uns, warum durftet ihr kein Weh bestehn ?
Ihr seid nicht in der Hölle gewesen:
680 wanim seid ihr vor  andern Leuten auserlesen?

Henoch.
Ich bin der alte Henoch
und lebe leibhaftig noch
wie ich war auf der Erden.
Gott liesz mich überhitzen und werden
in dem Paradeise
nach seiner göttlichen Weise.
Es soll ich und der Kumpan von mir
das Paradies bereiten hier
bis zu der bestimmten Frist,
dass da kommt der Antichrist:
so sollen leiden wir den Tot
und erlöset werden von irdischer Not.

Elias.
Ich bin geheiszen Elias,
der mit euch auf der Erde was,
da der hohe Gott es schafft,
dasz seine allmächtige Kraft
lebendig mich in den Himmel getragen
auf einem feurigen Wagen.
Der feurige Wagen mit Macht
hat uns an diese Stätte gebracht;
da sollen wir also lange sein
ohne jegliche Angst und Pein,
bis Antichristus kommt in das Land:
so werden wir wieder niedergesandt
und sollen sein wahre Prediger,
Zeugen gegen die falsche Lehr;
darum läszt er uns martern sogleich,
so kommen wir dann in das Himmelreich,
da sollen wir ruhn und es nicht bereuen;
dessen möget ihr euch wol freuen.

David.
Lieber Freund, wer bist du hie,
dasz du wanderst also früh
in des Paradieses Garten?

Der Ränber. 
Wiszt ihr nicht, wes ich soll warten?
Der Räuber bin ich, der am stillen Freitage
sprach zu Gottes Sohn mit seiner Klage:
,Herr, wenn du kommst, das bitt ich dich,
ins Vaters Reich, denk auch an mich!”

Da sprach er zu mir:
,,Amen, ja ich sage dir,
du sollst heute mit mir sein fürwahr
in dem Paradiese klar.”
Er sprach: ,,Diesz Kreuze sollst du mit dir bringen :
obs dir der Engel wollt abdringen,
Engel Gottes, diesz ist mein Warzeichen, sag,
am Kreuze man Gott in sein Herze stach”.
Hier sollst du mich bewaren,
bis Er Selber kommt hergefaren.
Darauf warte ich allhier.

Chor der Seelen.
Darauf warten wir mit dir.

Der Engel.
Als es Gott behaglich was,
als er schuf die ganze Welt mit Laub und Gras,
da schuf er ein Paradies der Lust,
da ruhen sollte des Menschen Brust.
Da wurdest du Adam hinein gesetzet, offenbar
ein Mensch nach Gottes Bilde klar,
hinaus hat dich geworfen deine Sünde,
dasz seit der selbigen Stunde,
länger denn fünftausend Jahr
von aller Menschen Schar
niemand hinein konnte kommen.
Nun hat euch Gott mit seinem Tot aus der Hölle genommen,
ich soll euch in diesz Paradies wieder bringen,
wo sie ein scharfes Schwert vorhiengen:
ihr sollt euch nicht fürchten davor! —
Tretet in des Paradieses Thor,
und wartet in dem wunnigen Sale,
bis dasz euch Gott Selber hole.

Die Seelen gehn durch das Thor des Paradieses.

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